Politisches Engagement

Unsere politischen Positionen

 

Bayer engagiert sich für unterschiedliche Themen in verschiedenen Ländern und mit einer Vielzahl von Interessengruppen und Organisationen. Wir veröffentlichen proaktiv unsere politischen Positionspapiere, um Transparenz in der Zusammenarbeit mit Stakeholdern und Entscheidungsträgern zu gewährleisten.

Aktualisierungen dieser, nicht erschöpfenden, Liste politischer Positionen werden kontinuierlich zur Verfügung gestellt. Die unten aufgeführten Positionen geben einen Überblick über die übergeordneten Positionierungen des Unternehmens und können daher als Leitlinien für unser politisches Engagement gesehen werden.

Tierversuche

Tierversuche: Für sichere Arznei- und Pflanzenschutzmittel unverzichtbar

Thema

Tierversuche spielen eine wichtige Rolle für den Forschungs- und Entwicklungsprozess von Arzneistoffen und Pflanzenschutzmitteln. Ca. 90% der Versuche bei Bayer sind gesetzlich vorgeschrieben, um die Wirksamkeit und Sicherheit innovativer Wirkstoffe und Produkte für Menschen, Tiere und die Umwelt zu gewährleisten. Alle anderen Tierversuchsvorhaben z.B. in der Grundlagenforschung sind schon jetzt nur zulässig, wenn keine tierfreien Forschungsansätze zur Verfügung stehen und alle anderen Anforderungen nach einem klar strukturierten Antrags- oder Anzeigeprozess erfüllt sind, so dass behördenseitig die Unerlässlichkeit festgestellt werden kann.

Auf Grund der Ähnlichkeit von Mensch und Säugetier können aus den Versuchen aussagekräftige Schlüsse über die Wirkung der Inhaltstoffe im menschlichen Körper gezogen werden. So konnten dank solcher Studien zahlreiche Impf- und Arzneistoffe entwickelt werden, zur Behandlung von beispielsweise Herzkreislauferkrankungen, Krebs oder der Immunschwäche AIDS. Auch im Entwicklungsprozess von Pflanzenschutzmitteln sind toxikologische Untersuchungen im Rahmen von Tierversuchen gesetzlich vorgeschrieben.

Der Einsatz solcher Studien ist in Deutschland gesetzlich detailliert geregelt: Die Einhaltung der entsprechenden Vorgaben wird von Fachbehörden geprüft. In das Verfahren werden beratende Tierschutzkommissionen mit Beteiligung der Tierschutzverbände einbezogen. Auf internationaler Ebene bestehen neben nationalen Tierschutzregelungen zahlreiche Vereinbarungen der Forschungsgemeinschaft, um einheitliche Standards zu gewährleisten.

Dennoch wird die grundsätzliche Durchführung von Tierversuchen immer wieder kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Die forschenden Unternehmen nehmen diese Vorbehalte ernst und arbeiten kontinuierlich an der Entwicklung alternativer Testmethoden, um die Anzahl von Tierversuchen zu reduzieren. Dazu zählen Versuche an Gewebeproben oder Computersimulationsprogramme. Diese können Tierversuche bisher jedoch nur begrenzt ersetzen und sind nur in einigen Bereichen von den zuständigen Behörden als Ersatz für Tierversuche zugelassen.

Position von Bayer

Bayer führt Tierversuche für Produkte im Arzneistoff- und Agrarbereich durch und ist sich dabei seiner Verantwortung bewusst und hat sich strenge Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen gegeben und diese verbindlich niedergelegt. Bayer arbeitet zudem in der Forschung im Rahmen des 3R-Prinzips darauf hin, die Anzahl der Tiere, die in den Studien eingesetzt wird, zu verringern (Reduce); die Forschungsmethoden zu verfeinern (Refine); sowie Tierversuche durch alternative Verfahren zu ersetzen (Replace).

  1. Bei all unseren Tierversuchen halten wir uns an die geltenden Tierschutzgesetze. In Ländern ohne spezielle Gesetzgebung gelten für unsere Produktionsstätten, Partner und Zulieferer die Bayer-Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen. Ein Bayer-internes Tierschutz-Komitee überwacht deren Einhaltung.
  2. Wir schaffen für die Tiere angemessene Lebensbedingungen. Zudem reduzieren wir mit Eingriffen verbundene Untersuchungen und Stresserfahrungen u.a. durch Nutzung von Mikro-Computertomographien und Fernmessverfahren. Außerdem überwachen unsere Tierschutzbeauftragten die Durchführung aller Tierversuche.
  3. Bayer arbeitet auf nationaler und internationaler Ebene zusammen mit Stakeholdern intensiv an der Entwicklung alternativer Methoden, um die Anzahl von Tierversuchen kontinuierlich zu reduzieren. Darüber hinaus unterstützt Bayer entsprechende Projekte mit finanziellen und anderen Fördermitteln.
  4. Angesichts eines Zeitraums von oft über 12 Jahren bis zur sicheren Entwicklung und Zulassung innovativer Medikamente und Pflanzenschutzmittel plädiert Bayer für planbare und verlässliche Genehmigungsverfahren, die es dem Unternehmen ermöglichen, zeitlich verlässlich zu planen und Patienten und Landwirte schnellstmöglich mit sicheren, innovativen Produkten zu versorgen.
  5. Bayer ist offen für einen intensiven Dialog mit allen Stakeholdern, um gemeinsam die besten Lösungen im Interesse des Tierwohls, der Wissenschaft sowie der Patienten und Landwirte zu finden.

    Für mehr Informationen: www.tierversuche.bayer.de

Brexit

Die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU: Größtmögliche wirtschaftliche Integration

Thema

Nachdem sich das britische Volk im Juni 2016 gegen einen Verbleib des Landes in der EU ausgesprochen hat, muss die britische Regierung neue (wirtschaftliche) Beziehungen zur EU aufbauen. Auf dem Tisch liegen verschiedene Optionen, die eine unterschiedlich starke wirtschaftliche Integration zwischen Großbritannien und der EU vorsehen. Die britische Regierung muss zwischen den wirtschaftlichen Vorteilen der Integration und den innenpolitischen „Kosten“ eines Souveränitätsverlustes abwägen. Die Herausforderung besteht zurzeit vor allem darin, sorgfältig zwischen den zentralen Versprechen der „Leave“-Kampagne – die Einschränkung der Zuwanderung von Arbeitskräften aus der EU, die Einstellung von Zahlungen in den EU-Haushalt und die Wiedergewinnung der Kontrolle über die Gesetzgebung – und dem verlorenen Zugang zum europäischen Binnenmarkt, der aktuell rund 44 % aller britischen Exporte (2015) aufnimmt, abzuwägen.

Der europäische Binnenmarkt dient dem Wohl aller 500 Millionen EU-Bürger und ermöglicht es den Unternehmen, ungehindert in allen Mitgliedstaaten tätig zu sein. Ein funktionierender Binnenmarkt, in dem sich Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital ohne Zölle oder sonstige Beschränkungen frei bewegen können, fördert Handel und Wettbewerb, erhöht die Effizienz und senkt die Preise.

Der Brexit könnte zudem den Zugang Großbritanniens zur europäischen Forschung gefährden. Dazu zählt auch der Zugang zu europäischen Mitteln für Forschung und Entwicklung (F&E) und zu Kooperationsnetzwerken. EU-Programme wie das weltweit größte F&E-Programm Horizon 2020 sowie eine öffentlich-private Partnerschaft der EU, die Innovative Medicines Initiative, finanzieren und unterstützen die Entwicklung neuer, innovativer Produkte. Aus dem Forschungsbudget der EU fließt viel Geld in die britische Gesundheits- und Life-Sciences-Forschung, während andererseits die europäische Forschungsgemeinschaft von der aktiven Beteiligung britischer Universitäten und Industrielabore an gemeinsamen Forschungsprojekten profitiert.

Position von Bayer

Bayer ist ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland, das stark in Großbritannien vertreten ist und auf die F&E und die Vermarktung eigener Produkte spezialisiert ist. Das Kernanliegen von Bayer besteht zurzeit darin, eine starke F&E-Basis in Großbritannien und einen ungehinderten Zugang zum britischen Markt aufrechtzuerhalten.

  1. Ohne Hauptsitz im Land ist es für das britische Bayer-Geschäft enorm wichtig, dass die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU auf einem wirtschaftlichen Modell mit größtmöglicher wirtschaftlicher Integration beruhen: Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital sollten sich weiterhin frei ohne Zölle oder andere Barrieren bewegen können.
  2. In Anbetracht der über viele Jahre herausragenden Leistungen in der biowissenschaftlichen Forschung an den Hochschulen und in der klinischen Forschung ist die britische Präsenz von Bayer auf F&E ausgerichtet. Um eine hohe Qualität der F&E zu wahren, sollte Großbritannien weiter an F&E-Förderprogrammen der EU wie Horizon 2020 beteiligt sein, weil diese einen wichtigen Netzwerkeffekt entfalten.
  3. Bayer hält eine Harmonisierung und Kontinuität der EU-Gesetzgebung im Bereich des Gesundheitswesens für dringend notwendig, gerade auch mit Blick auf die Beibehaltung eines stabilen EU-Regelwerks und einer funktionierenden Europäischen Arzneimittelagentur. Weiterhin wird es wichtig sein, gemeinsame Standards für gewerbliche Schutzrechte und Patentvorschriften zu erreichen (z. B. das Einheitspatent). Von besonderer Bedeutung für das Crop-Science-Geschäft von Bayer ist die Beibehaltung der gemeinsamen Marktorganisation für Saatgut sowie das harmonisierte System zur Registrierung von Pflanzensorten.
  4. Damit die laufenden Geschäfte solide fortgeführt werden können, ist es wichtig, ein Interimsabkommen zu schließen, das u. a. die regulatorische Zusammenarbeit regelt. Um den Zugang langfristig zu sichern, sollte ein künftiges Handelsabkommen mit einem Mechanismus für die regulatorische Zusammenarbeit angestrebt werden.

Energiewende und Energieeffizienz

Energiewende und Energieeffizienz: Nachhaltige Versorgungssicherheit

Thema

Zur Energiewende gehören der ambitionierte Ausbau erneuerbarer und regenerativer Energien sowie das Zurückfahren der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Ziel ist die Dekarbonisierung und eine stabile Energieversorgung bei gleichzeitiger Minimierung ökologischer Probleme.

Die Energiewende ist auch ein wichtiger Bestandteil des Pariser Übereinkommens von 2015, einer Vereinbarung der Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Die Unterzeichnerstaaten des Übereinkommens haben sich verpflichtetet, als Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel die Nettoemissionen an Treibhausgasen zwischen 2045 und 2060 auf null zu reduzieren.

Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten wollen bei der Dekarbonisierung eine Vorreiterrolle spielen. Die EU bemüht sich aktiv um Klimaverträglichkeit, indem sie Emissionen reduziert und in Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs investiert, wie z. B. in saubere Technologien.

Die Energiewende schließt auch die Nutzung von effizienzsteigernden Verfahren wie der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ein. Dazu gehört die effiziente Rückgewinnung der bei technischen Prozessen freiwerdenden Wärme. Da Produktionsanlagen das ganze Jahr über Wärme benötigen, werden Wärme und elektrische Energie in einem kombinierten Prozess erzeugt, der hoch effizient ist und den Bedarf an zusätzlichen Wärme- oder Energiequellen verringert.

Position von Bayer

  1. Bayer unterstützt die Energiewende grundsätzlich und steht hinter dem Ziel des Pariser Übereinkommens, die Strom- und Wärmeversorgung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen.
  2. Bayer beabsichtigt, die Energieeffizienz seiner Produktionsanlagen kontinuierlich zu verbessern und entlang der gesamten Wertschöpfungskette innovative Marktlösungen zu finden, mit deren Hilfe Energie eingespart werden kann. Der Konzern hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Energieeffizienz um 10 % gegenüber dem Basisjahr 2015 zu erhöhen.
  3. Die Energiewende bringt auch Herausforderungen mit sich. Ein Problem sind die steigenden Energiepreise, die sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit von Produktionsstandorten auswirken, an denen die Energiepreise ohnehin schon hoch sind (z. B. Deutschland). Die Energiepreise beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit ganzer Industriezweige. Darüber hinaus müssen wir die Sicherheit der Energieversorgung gewährleisten. Es ist unabdingbar, die Integration erneuerbarer Energien in nachhaltige Versorgungsstrategien sorgfältig zu planen, um in Zukunft Versorgungssicherheit garantieren zu können.
  4. Ein Kernelement der Effizienzstrategie von Bayer ist der Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung in der Energieerzeugung in Deutschland. Die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Ergänzung erneuerbarer Energien durch die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung sind zunehmend günstig.

Finanzpolitik

Finanzpolitik für die Realwirtschaft

Thema

Seit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 wurden auf internationaler Ebene Anstrengungen unternommen, den Hauptursachen auf den Grund zu gehen und geeignete Lösungen zu entwickeln, um einer vergleichbaren Krise in Zukunft vorzubeugen.

Die Gruppe der 20 (G20), in der die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zusammenkommen, will das globale Finanzsystem stärken und die Aufsicht und Regulierung der Finanzmarktakteure verbessern.

Die Koordination der G20 beruht auf Empfehlungen zur a) Verstärkung von Transparenz und Rechenschaftspflicht; b) Verbesserung der Regulierung; c) Förderung der Funktionsweise von Finanzmärkten; d) Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit und e) Reformierung der internationalen Finanzinstitutionen. Für die Umsetzung sind jedoch die einzelnen Länder verantwortlich.

Darüber hinaus nehmen auch andere Institutionen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds oder der Basler Ausschuss (in dem die Zentralbanken und Bankaufsichtsbehörden vertreten sind) Einfluss auf die Regeln für die Risikoüberwachung und die Kapitalanforderungen für Banken.

In diesem Zusammenhang wird es für die Realwirtschaft – Nichtfinanzunternehmen, die Finanzdienstleistungen nutzen – immer wichtiger, sich Gehör zu verschaffen. Unternehmen der Realwirtschaft haben sich für strengere Kapitalanforderungen und ergänzende Maßnahmen eingesetzt, um mögliche Bankenpleiten infolge der Krise zu verhindern. Bestimmte Regelungen und weitere geplante Regeln, die für mehr Finanzstabilität sorgen sollen, könnten jedoch unbeabsichtigte Folgen für die Realwirtschaft haben. Daher ist es wichtig, zwischen Finanz- und Nichtfinanzunternehmen zu unterscheiden, um die konkreten Auswirkungen des neuen Regelwerks zu verstehen. Für Nichtfinanzunternehmen sollten daher nach Möglichkeit Ausnahmen und Sonderregelungen gelten.

Position von Bayer

Bayer ist auf stabile Finanzsysteme angewiesen, da die Darlehenskapazität der Finanzinstitute wichtig für die Finanzierung der Investitionsaktivitäten der Realwirtschaft ist. Die Basler Vereinbarungen sollen für eine ausreichende Kapitalausstattung der Banken sorgen, um künftige Bankenzusammenbrüche zu vermeiden. Eine höhere Kapitalausstattung kann die Kreditvergabe indirekt bremsen, worunter wiederum das Wirtschaftswachstum leiden könnte. Bayer fordert deshalb, dass die gesamtwirtschaftlichen Folgen, d. h. nicht nur die Folgen für den Finanzsektor, genauer geprüft werden, bevor strengere globale Standards in diesem Bereich eingeführt werden.

  1. Als Unternehmen mit Sitz in Deutschland unterstützt Bayer den Einsatz für einen stärkeren Kapitalmarkt in Europa. Vorschläge zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer und Versuche, Nichtfinanzunternehmen stärker in die Finanzmarktregulierung einzubeziehen, könnten die Entwicklung einer europäischen Kapitalmarktunion behindern.
  2. Bei der Regulierung von Finanzsystemen muss zwischen Finanz- und Nichtfinanzunternehmen unterschieden werden. Nichtfinanzunternehmen nutzen häufig Derivate, um sich gegen Geschäftsrisiken abzusichern. Der Einsatz von Derivaten zu diesem Zweck ist – anders als bei der spekulativen Nutzung – von strategischer Bedeutung und erhöht die Belastbarkeit des Finanzsystems. Für Unternehmen der Realwirtschaft dürfen daher nicht dieselben Pflichten wie für Finanzinstitute gelten, etwa bezogen auf ein zentrales Clearing oder Berichtspflichten, die die Unternehmen entscheidend davon abhalten würden, Derivate zur Absicherung zu nutzen.

Gender und kulturelle Vielfalt

„Gender-Balance“ und kulturelle Vielfalt: Gut für das Unternehmen

Thema

Frauen sind in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. In vielen Ländern und auch in der Europäischen Union wird deshalb darüber diskutiert, wie mehr Frauen in Führungspositionen gebracht werden können – beispielsweise durch eine gesetzliche Quote. In Deutschland wurde zum Beispiel im Frühjahr 2015 eine Frauenquote für Aufsichtsräte beschlossen, die ab 2016 sukzessive umgesetzt wird.

Es geht aber nicht nur um „Gender-Balance“, also um ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis, sondern auch um kulturelle Vielfalt. Beides ist wichtig: Frauen stellen heute bereits 60 Prozent aller Hochschulabgänger weltweit, und 65 Prozent aller Kaufentscheidungen werden maßgeblich von Frauen beeinflusst. In zehn Jahren wird die Hälfte der weltweiten Verbraucher aus den heutigen Entwicklungsländern stammen – und in fünf Jahren vier von zehn Universitätsabsolventen aus China und Indien.

Position von Bayer

  1. Seit Ende 2010 arbeiten wir bei Bayer intensiv daran, die Ausgewogenheit der Kulturen und Geschlechter in unserer Führungsmannschaft zu verbessern.
  2. Wir stärken damit unsere Wettbewerbsfähigkeit und fördern entscheidende Erfolgsfaktoren:
    • Kulturelle Vielfalt und ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen stärken die Innovationskraft unserer Teams.
    • Wir wollen das gesamte Potenzial nutzen, das die Männer und Frauen unterschiedlicher Nationalitäten in unserem Unternehmen bieten. Dasselbe gilt im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs.
    • Wir müssen unsere weltweiten Kunden in ihrer gesamten Vielfalt verstehen und wollen diese Vielfalt auch in den Entscheidungsprozessen unseres Unternehmens verankern.
  3. Wir unterstützen unsere Führungskräfte dabei, Mitarbeiter geschlechts- und kulturübergreifend optimal zu rekrutieren und zu halten, zu fördern und zu befördern. Den damit verbundenen Lernprozess unterstützen wir in Seminaren. Unser oberstes Management verantwortet den Prozess und treibt ihn voran.
  4. Wir haben ehrgeizige Ziele, und wir machen gute Fortschritte. Deshalb sehen wir auch die Quotendiskussion gelassen. Wir sind aus eigener Überzeugung auf einem guten Weg.
  5. Bis Ende 2017 haben wir den Frauenanteil im oberen Management konzernweit auf rund 32 Prozent gesteigert. Bis 2020 möchten wir diesen Anteil auf 35 Prozent erhöhen.
  6. Insgesamt sind im Bayer-Konzern Menschen aus rund 150 Nationen beschäftigt. Was die kulturelle Ausgewogenheit im oberen Management angeht: Rund 21 Prozent der Führungskräfte stammen aus Ländern außerhalb von Westeuropa, den USA oder Kanada. Diesen Anteil möchten wir bis 2020 auf 25 Prozent anheben.

Genom-Editierung

Genom-Editierung: Wissenschaft und Risikobewertung als Grundlage für gesetzliche Regelungen

Thema

Die bahnbrechenden Entwicklungen in den Verfahren der Genom-Editierung stellen für die Biowissenschaften einen erheblichen Fortschritt dar. Sie bergen ein enormes Nutzenpotenzial für Human- und Tiertherapeutika, für die Züchtung von Pflanzensorten mit neuen Merkmalen und für die Entwicklung neuer biologischer Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten. Gesellschaftlich gesehen können sie sozioökonomische und umweltrelevante Vorteile bringen. Andererseits stellen diese Durchbrüche die derzeitige rechtliche Situation infrage. Sie geben Anlass zu politischen Diskussionen und haben damit das Potenzial, die öffentliche Meinung zu spalten.

Als führendes Life-Science-Unternehmen nimmt Bayer bei diesen Fortschritten eine federführende Rolle ein und leistet einen wichtigen Beitrag zu den gesellschaftlichen Debatten, an denen Experten und Geschäftsführung des Unternehmens und das Leaps by Bayer sich beteiligen – insbesondere, wenn es um mögliche Anwendungen von Genom-Editierungs-Technologien als zukünftige Therapeutika geht. Wir haben Zugang zu Genom-Editierungs-Technologien und nutzen sie in der Humanforschung, Pflanzen- und Tierwissenschaften sowie der Erforschung von Mikroorganismen.

Die Bayer-Forschung in der Genom-Editierung zielt darauf ab, DNA auf präzise, effiziente und verantwortliche Weise zu verändern. Zielgerichtete Verfahren mit Einsatz von Genscheren ermöglichen es, DNA zu schneiden, zu editieren, zu reparieren und Abschnitte zur DNA hinzuzufügen. Bislang stehen mehrere Methoden wie CRISPR/Cas9, Zink-Finger-Nukleasen und TALENs zur Verfügung. Darüber hinaus bieten andere ähnliche Technologien vielfältige Möglichkeiten, beispielsweise Entfernen oder Einfügen von Genen oder Nukleotiden und Aktivieren oder Ausschalten einzelner Gene.

Die letzten Entwicklungen auf dem Gebiet der Genom-Editierung bedeuten neue Chancen für zukünftige Anwendungen als Therapeutika zur Heilung bestimmter Krankheiten und sind als echter Durchbruch zu betrachten. Hat man in Bezug auf die Pflanzenwissenschaften bereits zahlreiche Fragen erörtert, so stehen die Debatten über Genom-Editierung beim Menschen gerade erst am Anfang. Insofern sind für Produkte der Genom-Editierung bei Anwendung am Menschen neue juristische Rahmenbedingungen erforderlich.

Position von Bayer

  1. Produkte der Genom-Editierung werden nicht nur Vorteile, sondern auch potenzielle Risiken mit sich bringen. Diese gilt es zu verstehen und zu steuern. Daher sind Risiken auf wissenschaftlicher Grundlage zu bewerten und dann abzuwehren oder zu vermeiden. Beim Risikomanagement sollte aber stets der Nutzen der jeweiligen Produkte berücksichtigt werden.
  2. Gemeinsam mit führenden Wissenschaftlern befürwortet Bayer eine angemessene Gesetzgebung für die Genom-Editierung bei Pflanzen, die das Produkt der Pflanzenzüchtung und nicht nur den technischen Prozess der Züchtung/Produktion betrachtet.
  3. Bayer vertritt die Position, die menschliche Keimbahn nicht zu verändern, und unterstützt ein diesbezügliches Moratorium von Wissenschaftlern aus dem Jahr 2015. Veränderungen am Erbgut gelten als Grenze, die nicht überschritten werden darf. Nicht die Keimbahn betreffende DNA-Veränderungen beim Menschen sind heute schon aus ethischer Sicht als therapeutische Optionen zur Heilung von Krankheiten gerechtfertigt, da sie nicht an Nachkommen vererbt werden.
  4. Viele Fragen sind jedoch noch offen: Wie wird beispielsweise die Sicherheit neuer Therapieformen gemessen? Wie wird der Zugang zu diesen neuen Behandlungsmöglichkeiten organisiert und wie werden die Kosten gerecht verteilt? Damit wird sich die Gesellschaft in den kommenden Jahren befassen müssen. Es wird von entscheidender Bedeutung zu sein, geistiges Eigentum entsprechend einzuordnen und die Tauglichkeit von Gesundheitstechnologiebewertungen zu bestimmen. Insofern ruft Bayer zu einer gesellschaftlichen Debatte darüber auf, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Genom-Editierung im Hinblick auf Innovationsfähigkeit zu gestalten sind.

Innovation

Innovationspolitik: Life-Science-Innovationen für ein besseres Leben

Thema

Eine zentrale Rolle bei Bayer spielen Innovationen. Sie sind ein entscheidender Faktor für unsere Geschäftsentscheidungen als Life-Science-Unternehmen. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 14.000 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung (F&E) und gibt 4,5 Mrd. € für F&E aus (2017). Bayer verfolgt eine Open-Innovation-Strategie mit zahlreichen Partnern von Hochschulen bis hin zu Startups.

Wissenschaft, Forschung und Entwicklung sind von großer Bedeutung für die Wirtschaft eines Landes. Der Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte wird weit weniger Beachtung geschenkt, obwohl sich gerade hier die Wertschöpfung aus der F&E vollzieht. Der wichtige Schritt der Kommerzialisierung unterscheidet die Innovation von der Forschung.

Innovation kann auf viele Hürden treffen. Dazu zählen Vorschriften, die Biotechnologieprodukte benachteiligen, die Ablehnung von Arzneimittelpatenten oder Pflanzeninnovationen oder die zu späte Registrierung von Consumer-Care-Produkten. Diese Hürden sind in der Regel nicht speziell darauf ausgelegt, die Innovation zu bremsen. In Kombination mit anderen Hürden können sie jedoch eine gefährliche Bremswirkung entfalten.

In einigen Ländern fehlt es an den Grundvoraussetzungen für Forschung und Innovation, wie etwa einen Zugang zu F&E, Personal oder Kapital. Bisweilen reicht der vorhandene gewerbliche Rechtsschutz nicht aus, um Innovationsanreize zu setzen. Andernorts besteht eine unüberbrückbare Kluft zwischen Forschung und Kommerzialisierung. Es kann vieles schieflaufen, allen Problemen aber ist die Tatsache gemein, dass es häufig an kohärenten innovationsfördernden Rahmenbedingungen fehlt.

Innovation funktioniert am besten, wenn verschiedene Akteure in einem Innovationsökosystem zusammenkommen: große Unternehmen, Startups, Lieferanten, Kunden, Universitäten, Forschungsinstitute und andere.

Position von Bayer

Bayer setzt sich für gesetzliche Rahmenbedingungen ein, die die Innovation fördern. Diese können zwar je nach den örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich ausgestaltet sein, sie schaffen aber grundsätzlich die notwendigen Voraussetzungen für eine erstklassige F&E, geeignete Anreize für die Kommerzialisierung und ein Regelwerk, das eine langfristige strategische Innovationsplanung erlaubt.

  1. Bayer fordert die Einführung eines Innovationsprinzips, um die Folgen neuer Gesetzesvorschriften auf die Innovationstätigkeit zu prüfen. Ein solches Prinzip würde Innovationen mit anderen politischen Überlegungen gleichstellen. Es könnte dazu beitragen, die Bedingungen für Forschung und Innovation zu verbessern und unnötige Belastungen durch die Regulierung zu vermeiden.
  2. Bayer spricht sich auch für Innovationsförderung durch die Kooperation zwischen wichtigen Stakeholdern aus: Industrie, Hochschulen, Startups, Gesellschaft, Politik, Bürger – alle sind nötig, um ein dynamisches und produktives Innovationsökosystem zu schaffen. Dies sollte von der Politik aktiv gefördert und erleichtert werden.
  3. Bayer fordert die Umsetzung einer kohärenten Innovationspolitik, um Innovation zu fördern: eine solide MINT-Bildung (Mathematik, Ingenieur-wissenschaften, Naturwissenschaften, Technik), Anreize für F&E, bspw. durch Steuervergünstigungen, einen starken gewerblichen Rechtsschutz und Forschungsprogramme, die die internationale Zusammenarbeit und den Austausch von Industrie und Wissenschaft fördern.
  4. Um ein zuverlässiges Innovationsökosystem zu schaffen, sollten politische Entscheidungen wissenschaftsbasiert sein. Die Wissenschaft kann keine Entscheidungen diktieren, sie kann die Entscheidungsträger nur informieren. Sie kann verschiedene, realistische Politikoptionen vortragen und die jeweiligen Folgen verdeutlichen.

Gewerbliche Schutzrechte

Gewerbliche Schutzrechte sind wichtig für Life-Science-Innovationen

Thema

Bayer ist ein forschungsorientiertes Unternehmen. Es hat 2017 4,5 Mrd. Euro in F&E investiert. Die Gesellschaft profitiert von Innovationen, die helfen, Krankheiten vorzubeugen, zu lindern und zu behandeln und die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln, Futtermitteln und pflanzlichen Rohstoffen zu sichern.

Gewerbliche Schutzrechte sind ein wichtiger Teil des Innovationsprozesses, vor allem wenn damit hohe Investitionen, spezialisierte Forschung und ein gewisses Misserfolgsrisiko einhergehen. Das ist in der Life-Science-Forschung der Fall, etwa in der Pflanzenzüchtung, der Arzneimittelforschung oder der Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln. Ohne einen effektiven Patentschutz sind Produktentwicklungen und F&E-Investitionen im streng regulierten Life-Science-Sektor nicht gewinnbringend.

Unternehmen wie Bayer müssen sich darauf verlassen können, dass das Ergebnis ihrer F&E-Investitionen vor der Nachahmung durch andere geschützt wird, die die Kosten und Risiken nicht tragen. Gewerbliche Schutzrechte hindern Dritte über einen begrenzten Zeitraum daran, das neue Produkt ohne Zustimmung des Erfinders zu kopieren. Auch wenn die begrenzte Exklusivität für den Erfinder nach Ablauf der Schutzfrist endet, bleiben die Innovationen von Bayer der Gesellschaft weiterhin erhalten. Aus der Veröffentlichung von Patentanträgen können weitere Innovationen erwachsen, da die Eigenschaften einer Erfindung öffentlich bekannt werden. Dieser innovationsfördernde Effekt von Patenten wird durch Ausnahmeregelungen im Patentrecht noch verstärkt, die eine F&E schon während der Patentdauer erlauben.

Zu den gewerblichen Schutzrechten zählen z. B. Patente, Geschäftsgeheimnisse, Unterlagenschutz, Marken, Designs, Sortenschutzrechte und Maßnahmen zur Verlängerung der Patentdauer, z. B. ergänzende Schutzzertifikate.

Neben dem Schaden für den Erfinder stellen Verstöße gegen gewerbliche Schutzrechte wie gefälschte Arzneimittel oder Pflanzenschutzmittel eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar.

Position von Bayer

  1. Bayer fordert einen starken gewerblichen Rechtsschutz. Steigende F&E-Kosten und lange Entwicklungszeiten machen dies erforderlich. Die Industrie ist wegen der Dauer und Komplexität von Innovationsprozessen auf eine gute Planbarkeit in Bezug den gewerblichen Rechtsschutz und seine Durchsetzung angewiesen.
  2. Künftige Freihandelsabkommen und andere (internationale) Verträge müssen Bestimmungen zu gewerblichen Schutzrechten und ihre Durchsetzung enthalten. Das WTO-Übereinkommen über handelsrelevante Aspekte von Rechten an geistigem Eigentum (TRIPS) ist in dieser Hinsicht ein wichtiger Meilenstein.
  3. Bayer erkennt die Forderung der Gesellschaft nach Transparenz an. Bayer beteiligt sich am Orange Book zu Arzneimittelpatenten in den USA, an der International License Platform for Vegetable Seeds und der PINTO-Datenbank (Patent Information and Transparency Online) im europäischen Saatgutsektor.
  4. Neben Patenten und Patentverlängerungen muss auch der Unterlagenschutz zu den Maßnahmen zählen. In dieser Hinsicht besteht nach wie vor eine große Kluft beim Wechsel von verschreibungspflichtigen zu frei verkäuflichen Arzneimitteln. Die gestiegenen Datenanforderungen in diesem Bereich bedeuten, dass der Unterlagenschutz mindestens 3 Jahre bestehen sollte.
  5. Der gewerbliche Rechtsschutz gerät immer mehr unter Druck, weil die Ansicht vertreten wird, das Patentsystem erschwere den Zugang zu Arzneimitteln und Saatgut. Das Patentsystem ist eine Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Produkte und sorgt für Anreize, indem es dem Erfinder vorübergehenden Schutz verschafft. Nach Ansicht von Bayer stehen Innovationsanreize und der Zugang zu Innovation im gewerblichen Rechtsschutz der Industrieländer grundsätzlich in einem ausgewogenen Verhältnis.

Gesetzgebung und Politik

Gesetzgebung und Politik: Entscheidend sind die Rolle der Wissenschaft und Transparenz

Thema

Bevor ein Produkt von Bayer auf den Markt und damit zum Verbraucher gelangt, muss es eine ganze Reihe von Vorschriften zur Sicherheit und Wirksamkeit erfüllen. In klinischen Studien werden die Wirksamkeit und das Nutzen-Risiko-Profil von Arzneimitteln und Consumer-Health-Produkten ermittelt. Die Verschreibung und Anwendung von Medikamenten liegen überwiegend in den Händen von Ärzten und Apothekern. Pflanzenschutzmittel werden in wissenschaftlichen Toxikologiestudien gründlich getestet und ihre Anwendung unterliegt strengen Grenzwerten und einer sorgfältigen Kontrolle. Einige Bayer-Produkte sind frei verkäuflich, für andere dagegen gilt eine staatlich vorgeschriebene Preisbindung.

Bayer unterstützt die Regulierung und die damit verbundenen Gesetze, sofern sie dem Schutz der Gesundheit und der Umwelt dienen. Politiker sehen sich jedoch Zielkonflikten ausgesetzt, zum Beispiel Gesundheitsschutz und Umweltschutz, Innovationsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Mitarbeiterrechte und gesellschaftliches Wohl.

Politiker müssen ausgehend von ihren eigenen Werten und politischen Ansichten zwischen einer Vielzahl politischer Ziele abwägen. Die Gesetzgebungsverfahren sind dadurch deutlich komplexer geworden. Sie müssen neue Ideen entwickeln, um diese Komplexität transparent und zuverlässig in überschaubare, gesetzgeberische Optionen umzumünzen.

Es gibt viele Beispiele für einen neuen Handlungsmaßstab: Die EU hat eine Agenda für bessere Rechtsetzung angenommen und die USA haben ihr Verfahren zur öffentlichen Bekanntmachung und Stellungnahme weiter vorangebracht. Folgenabschätzungen gehören mittlerweile fast schon zum Standard und in einer Reihe von Ländern wurden auch bereits neue Prozesse für die wissenschaftliche Beratung und Risikobewertungen eingeführt.

Versuche, Gesetze und Vorschriften berechenbarer, transparenter, wissenschaftsbasierter und innovationsfreundlicher zu gestalten, sollten jedoch systematischer erfolgen und nicht willkürlich.

Position von Bayer

Bayer unterstützt eine starke und vernünftige gesetzgeberische und behördliche Kontrolle seiner Branchen, vor allem bezogen auf den Gesundheits- und Umweltschutz, soweit die Innovationstätigkeit dadurch nicht ausgebremst wird. Wir halten vier Bereiche für besonders wichtig, um den Gesetzgebungsprozess zu verbessern:

  1. Bayer spricht sich für neue Formen der Entscheidungsfindung aus, wie man sie etwa in den Empfehlungen der OECD zur besseren Rechtsetzung findet. Bayer hält es für ausgesprochen wichtig, die Qualität und Rechenschaftspflicht der Politiker und Gesetzgeber zu verbessern. Wir halten eine frühzeitige und transparentere Folgenabschätzung, die Beiträge von Stakeholdern berücksichtigt, für sehr wichtig.
  2. Bayer unterstützt eine wissenschaftsbasierte Entscheidungsfindung. Wissenschaftliche Belege sollten auf einem akademischen Konsens beruhen. Damit Rechtsvorschriften nach den besten wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbereitet und verabschiedet werden, sollten institutionalisierte Mechanismen geschaffen werden, die die Regierungen zu den Optionen und deren Folgen aus wissenschaftlicher Sicht beraten. Eine Institution, die solche Empfehlungen erteilt, sollte für die Qualität der wissenschaftlichen Erkenntnisse verantwortlich sein, die zur Entscheidungsfindung herangezogen werden.
  3. Bayer fordert die Anwendung eines Innovationsprinzips, um die Folgen von Gesetzesentwürfen für die Innovationstätigkeit systematisch abzuschätzen. Dieser Grundsatz würde das Vorsorgeprinzip ergänzen, indem es für die nötige Vorsorge sorgt, gleichzeitig aber auch Innovation fördert.
  4. Bayer setzt sich für mehr Transparenz in den Gesetzgebungsverfahren ein. Regierungsstellen sollten beispielsweise ihre Gesetzesvorschläge offenlegen. Bayer will Transparenz schaffen und arbeitet daran, regulatorische Daten online zu stellen, unter der Bedingung, dass geistiges Ei-gentum nicht gegenüber Wettbewerbern offengelegt wird.

Digitale Politik

Digitale Politik: Datenaustausch ist wichtig

Thema

Die sogenannte digitale Revolution führt zu einem Umbruch in der Gesellschaft, bei den Unternehmen und ganzen Wirtschaftszweigen. Digitale Technologien haben das Potenzial, Analysen, Produktion und Dienstleistungen sehr viel effektiver und effizienter zu machen.

Im Life-Science-Sektor sind digitale Geschäftsmodelle eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern und Unternehmen in einer globalisierten Welt. Für Bayer nimmt die Digitalisierung eine Schlüsselstellung in der strategischen Ausrichtung der Divisionen ein:

Bayer baut seine Fähigkeiten in der digitalen Landwirtschaft aus; lokale, datengestützte Informationen sollen den Landwirten helfen, die richtigen Entscheidungen auf dem Feld zu treffen, und ihnen genaue Vorhersagen und konkrete Empfehlungen bieten. Die Digitalisierung verspricht den Landwirten zeitnahe, feldspezifische Informationen für die Auswahl von Saatgutsorten, die Bestimmung idealer Anwendungszeitpunkte und Dosierungen sowie die frühzeitige Identifizierung von Stressfaktoren.

Auch im Gesundheitswesen hat die Digitalisierung die gesamte Wertschöpfungskette erfasst, angefangen bei der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zur Kundenbeziehung. Bayer setzt sich mit digitalen Konzepten für die Selbstverantwortung in Gesundheitsfragen und die Selbstmedikation der Verbraucher ein und investiert gezielt in die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung.

Im Zuge der digitalen Revolution werden Daten und die Entwicklung einer datengestützten Wirtschaft zunehmend als wichtiger Katalysator für wirtschaftliches Wachstum, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt gesehen. Gleichzeitig bringen die neuen Technologien die bestehenden Beziehungen in der Gesellschaft durcheinander, so-dass ein geeigneter rechtlicher Rahmen für sie gefunden werden muss. Ein wichtiges Thema in der politischen Diskussion ist daher auch der dringend notwendige Schutz personenbezogener Daten nach den bestehenden Datenschutzvorschriften. Regierungen diskutieren zudem darüber, wie man nicht perso-nenbezogene Daten Dritten am besten zugänglich machen kann.

Position von Bayer

  1. Der Datenschutz ist ein ausgesprochen wichtiges Thema für Life-Science-Unternehmen. Gerade für Patientendaten sind höchste Datenschutzstandards unerlässlich. Die Vorschriften zur Einverständniserklärung von Patienten zur Nutzung ihrer Daten in der medizinischen Forschung sind jedoch häufig zu streng formuliert. Zusammen mit vielen führenden Organisationen in der Gesundheitsforschung unterstützt Bayer ein breites Konzept der Patienteneinwilligung, das z. B. eine künftige Datenaggregation ermöglicht. Ein zu eng definierter Schutz personenbezogener Daten könnte zudem den gesundheitspolitischen Zielen in diesem vielversprechenden Bereich zuwiderlaufen. Daneben ist auch die Weiterentwicklung von Standards für die Datenanonymisierung wichtig.
  2. Der Austausch nicht personenbezogener Daten ist eine wichtige Voraussetzung dafür, das Potenzial einer datengestützten Wirtschaft heben zu können. Dabei dürfen jedoch keine Abstriche bei den gewerblichen Schutzrechten oder Geschäftsgeheimnissen gemacht werden. Besitzer größerer Datensätze erteilen z. B. häufig Dritten Zugangs- oder Nutzungsrechte, um die Forschung und Entwicklung schneller voranzubringen. Bayer unterstützt ein solches Vorgehen, solange die Freiwilligkeit und die Vertragsfreiheit gewahrt bleiben und alle Beteiligten davon profitieren. Das Digital-Farming-Geschäft von Bayer arbeitet beispielsweise mit vielen Organisationen, die Daten austauschen, um die Forschung und Entwicklung neuer Technologien zu fördern.
  3. Die Übertragbarkeit, Kompatibilität und Standardisierung von Daten sollte durch gemeinsame Industriestandards gefördert werden und nicht durch gesetzliche Vorschriften, um eine optimale Nutzung der Daten sicherzustellen.
  4. Eine wichtige Erfolgsvoraussetzung für eine datengestützte Wirtschaft ist ein zuverlässiger Datenfluss, damit neue datenbasierte Innovationen auf den Markt gebracht werden können. Bayer unterstützt den grenzüberschreitenden freien Datenverkehr und lehnt überflüssige Vorschriften für die Datenlokalisierung ab.

Handelspolitik

Handelspolitik

Thema

Bayer ist ein multinationales Unternehmen mit deutschen Wurzeln, das in über 77 Ländern vertreten ist. Der Handel ist eine Grundvoraussetzung für unseren Geschäftserfolg. Die weltweiten Handelsströme von Bayer beliefen sich 2016 auf rund 18,5 Mrd. Euro. Die Geschäftstätigkeit des Unternehmens beruht auf einer komplexen Wertschöpfungskette mit einer Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungsstandorten, geografisch verstreuten Produktionsstandorten und überwiegend nationalen Regelwerken.

Der zunehmende Freihandel in den letzten Jahrzehnten kam nicht nur der Wirtschaft zugute, sondern auch den Bürgern. Viel mehr Menschen waren dank besserer Handelsbedingungen in der Lage, an der globalen Wirtschaft teilzuhaben. Das dadurch angekurbelte Wirtschaftswachstum hat die Lebensbedingungen der Menschen verbessert. Laut den Vereinten Nationen sind Hunger, Armut, Kindersterblichkeit und Analphabetismus in den vergangenen Jahrzehnten gesunken.

Allerdings greifen in letzter Zeit auch protektionistische Maßnahmen um sich. Damit wollen die betreffenden Länder nicht wettbewerbsfähige Wirtschaftszweige schützen. Beispiele hierfür sind ein Übernahmeschutz, die gezwungene Lokalisierung der Produktion, Importsubstitution oder Zwangslizenzierungen. Darüber hinaus nutzen manche Länder Politikinstrumente der Welthandelsorganisation (WTO) wie Anti-Dumping-Untersuchungen für eine Zollanhebung.

Nicht-tarifäre Hemmnisse behindern den Handel. Dabei handelt es sich zwar oft nicht um protektionistische Maßnahmen im eigentlichen Sinn, sie können aber de facto dazu führen, dass Märkte abgeriegelt werden. Laut der WTO hat sich die Zahl der Handelsbeschränkungen im Zeitraum 2010 bis 2016 von 546 auf 2.835 erhöht. Nicht eingerechnet sind gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen sowie technische Handelshemmnisse, von denen bis Ende 2016 35.266 gemeldet wurden.

Solche Beschränkungen belasten die Handelsbeziehungen von Bayer; gleichzeitig erschweren sie den Zugriff von Patienten und Verbrauchern auf Bayer-Produkte.

Position von Bayer

  1. Bayer tritt ein für ein transparentes, regelbasiertes Handelssystem, das vorzugsweise global durch internationale Institutionen wie die WTO geregelt wird. Ein solches System muss demokra-tisch kontrollierbar und effizient sein, um protek-tionistische Maßnahmen so effektiv wie möglich auszuräumen.
  2. Bayer setzt sich für Handelserleichterungen ein, um eine effiziente Funktionsweise seiner Wert-schöpfungs- und Lieferketten sicherzustellen. Zollbestimmungen, Ursprungsregeln und Exportsubventionen sind Beispiele für Vorschriften, die den Handel beherrschen und ihn bei allzu großen Unterschieden deutlich erschweren. Es ist daher im Interesse der Wirtschaft, ein einfaches, harmonisiertes System von Handelserleichterungen zu erreichen.
  3. Bayer fordert eine Verbesserung der regulatorischen Zusammenarbeit und Kohärenz. Nicht-tarifäre Hemmnisse behindern den Freihandel, vor allem in einem stark regulierten Bereich wie den Life Sciences. Bayer hält sich an internationale und nationale Standards und spricht sich für den Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse aus.
  4. Bayer ist ein innovationsgetriebenes Unternehmen, das sehr viel in die F&E investiert. Der Wert seiner Produkte hängt von gewerblichen Schutzrechten ab. Diese sind nötig, um zu verhindern, dass Produkte von konkurrierenden Unternehmen nachgeahmt werden. Um in einem bestimmten Markt Fuß zu fassen, ist es deshalb wichtig, Maßnahmen zur Sicherung der F&E-Investitionen zu treffen. Bayer tritt ein für hohe Standards im gewerblichen Rechtsschutz und Investitionsschutz, die international aufeinander abgestimmt sein sollten.
  5. Bayer unterstützt Entwicklungen, die die Integration nationaler Märkte schrittweise gestalten, wie etwa den vorgeschlagenen multilateralen Investitionsgerichtshof. Die richtige Abwägung zwischen den Rechten von Investoren und Staaten hilft Auslandsinvestitionen transparent und gesetzeskonform zu sichern.