10.07.2018

Urteil nach Pansch-Skandal: 12 Jahre Haft für Bottroper Apotheker

Apotheker aus dem Ruhrgebiet hatte jahrelang Krebsmedikamente gestreckt.

In dem Skandal um gepanschte Krebsmedikamente ist der Bottroper Apotheker Peter S. vom Landgericht Essen zu zwölf Jahren Haft wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verurteilt worden. Außerdem verhängte das Landgericht ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Angeklagten.

Er hatte zwischen 2012 und 2016 individuelle Infusionslösungen für Krebspatienten verkauft, die weniger Wirkstoff enthielten, als vom Arzt verschrieben waren. Teilweise enthielten die Zytostatika sogar eine völlig wirkungslose Dosierung. Die insgesamt mindestens 14.500 unterdosierten Arzneimittel waren bei den Krankenkassen von Peter S. voll abgerechnet worden und führten bei den Kassen zu einem Schaden von rund 17 Millionen Euro. Der Richter, Johannes Hidding, ging von einem Handeln aus Habgier aus. Für S. spielten Luxusgüter eine große Rolle.

Zudem verstieß der 48-jährige Apotheker gegen Hygienevorschriften, da er in Straßenkleidung sein Labor betrat. Gerade für immungeschwächte Krebspatienten ist eine sterile Arbeitsweise jedoch enorm wichtig. Wie viele Patienten gepanschte Medikamente erhielten, konnte das Gericht nicht abschließend klären. Zu Beginn des Prozesses ging die Staatsanwaltschaft von über 1.000 Betroffenen aus.

Während des Prozesses hatte der Angeklagte, der seit November 2016 in Untersuchungshaft sitzt, geschwiegen. Die betroffenen Patienten wissen deshalb nicht, wer Chemotherapien mit weniger bzw. ganz ohne Wirkstoff erhielt und wer nicht. Sie wollen nun Zivilklage einreichen und um Schmerzensgeld kämpfen.

Der Medizinskandal wird die Justiz auch darüber hinaus noch weiter beschäftigen. Sowohl der Verteidiger des Apothekers wie auch die Staatsanwaltschaft legten wenige Tage nach der Verkündung Revision gegen das Urteil ein.

Quellen: