My Bayer Story

Zeitgeschichte erleben mit Bayer

Brennende Autos, eingeschlagene Fensterscheiben, Panzereinheiten: Während einer Revision des Bayer-Büros in Moskau erlebte Elmar Koll im Oktober 1993 den absoluten Ausnahmezustand in der Hauptstadt. Über die Hintergründe berichtet der Bayer-Mitarbeiter in seiner „My Bayer Story“. Seine Geschichte ist eine von mehr als 1.200 Erzählungen, die Beschäftigte für die Aktion anlässlich des 150. Geburtstages von Bayer geschrieben haben. Im Jubiläumsjahr veröffentlichen wir jede Woche einen dieser Beiträge.

Bayer-Mitarbeiter Elmar Koll wurde im Oktober 1993 Zeuge der Straßenkämpfe in Moskau. In seiner „My Bayer Story“ berichtet er von seinen Erlebnissen.Zoom image
Bayer-Mitarbeiter Elmar Koll wurde im Oktober 1993 Zeuge der Straßenkämpfe in Moskau. In seiner „My Bayer Story“ berichtet er von seinen Erlebnissen.

„Im Herbst 1993 war ich für eine Revision des Bayer-Repräsentanz-Büros in Moskau eingeteilt. In der Woche vor dieser Revision spitzte sich die politische Lage in Moskau allerdings so dramatisch zu, dass ich mich veranlasst sah, bei unserem damaligen stellvertretenden Direktor nachzufragen, ob es denn sicher sei, diese Revision planmäßig durchzuführen. Die Antwort lautete wie folgt: „Herr Koll, solange die Lufthansa fliegt, fliegt die Revision auch.“

In dieser Weise mehr oder weniger beruhigt, trat ich meine Reise an. Während meines Aufenthalts hatte ich am 3. Oktober Gelegenheit, mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen. Moskau war zu diesem Zeitpunkt absolut ruhig und friedlich. Gegen 14 Uhr begab ich mich in die „Unterwelt“ Moskaus, um einige der wunderschönen mit Mosaik ausgekleideten U-Bahn Stationen zu bewundern. Als ich etwa zwei Stunden später wieder an die Oberfläche zurückkehrte, hatte sich Moskau verändert.

Brennende Fahrzeuge und niedergerissene Absperrungen auf den Straßen, zerschlagene Fensterscheiben in geparkten Autos. Der Gegenspieler von Präsident Jelzin – Alexander Ruzkoi – hatte seinen Anhängern befohlen, die Stadtverwaltung und das Fernsehzentrum zu besetzen. Allein im Kampf am Fuß des Fernsehturms wurden 46 Menschen erschossen. Trotzdem gelangte ich mit der Hilfe meines Taxifahrers sicher zurück in mein Hotel.

Am späten Abend waren Militäreinheiten auf dem Weg nach Moskau, um den Aufstand niederzuschlagen und Panzer rollten in naher Entfernung zum Hotel entlang. Trotz einiger Diskussionen unter den Hotelgästen, ob man sich nicht zum Flughafen durchschlagen kann, entschlossen sich alle, in der Sicherheit des Hotels zu verbleiben und abzuwarten.

Am nächsten Morgen stand Herr Wiebusch, der Leiter des Moskauer Bayer-Büros, vor dem Hotel und fragte, ob die Revision denn auch prüft, wenn ein Bürgerkrieg in der Luft liegt. Ich habe geantwortet: „Herr Wiebusch, solange die Geschäftsführung das Bayer-Büro geöffnet hält, prüft die Revision auch.“

Das damalige Bayer-Büro lag genau gegenüber vom Weißen Haus in Moskau, dem damaligen Parlament, in dem sich die aufständischen Abgeordneten verschanzt hatten. Jelzin verhängte den Ausnahmezustand über Moskau und befahl den Sturm auf das Weiße Haus mit Panzereinheiten. Vom Bayer-Büro aus konnten wir den Beschuss quasi live miterleben.

Ich muss zugeben, dass meine Revisionsaktivitäten an diesem geschichtsträchtigen Tag etwas in den Hintergrund gerieten. Gegen 17 Uhr waren die Anführer der Aufständischen auf dem Weg ins Gefängnis, das Militär hatte die Lage unter Kontrolle und ab Dienstag war Moskau eigentlich wieder so ruhig wie am Sonntag, zwei Tage zuvor, um 14 Uhr. Der Rest der Prüfung verlief dann eher unspektakulär.“

Elmar Koll
BAG, Deutschland

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Letzte Änderung: 4. Januar 2016 Copyright © Bayer AG
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