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Visionen werden wahr

Monheim: Bayer CropScience eröffnete neben seiner Konzernzentrale im November 2009 das erste EcoCommercial Building in Europa.

Monheim: Bayer CropScience eröffnete neben seiner Konzernzentrale im November 2009 das erste EcoCommercial-Building in Europa. Die betriebliche Kindertagesstätte wurde vom Bundeswirtschaftsministerium mit dem Preis „Energieoptimiertes Bauen“ ausgezeichnet.

Die Gebäude von morgen kommen mit möglichst wenig Energie aus. Das ist auch das Ziel des EcoCommercial-Building-Programms von Bayer. Es ist global ausgerichtet und funktioniert in jeder Region. Denn der Bedarf an ökologischen Bauten wächst weltweit – vor allem, weil sie mittlerweile auch rentabel sind.

  • Schöne, neue Welt: Rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Abu Dhabi entfernt entsteht die futuristische Ökostadt Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Solarzellenpark: Die neue Ökostadt wird ausschließlich über erneuerbare Energien versorgt.
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Schöne, neue Welt: Rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Abu Dhabi entfernt entsteht die futuristische Ökostadt Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Öko, futuristisch, Stadt der Zukunft. Jedes Attribut klingt schwärmerisch – und passt doch. Nach seiner Fertigstellung wird Masdar City wie eine Fata Morgana wirken, die der Phantasie entsprungen ist: als erste klimaneutrale Stadt der Welt, mitten in der Wüste in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in der 40.000 Menschen leben. Ohne CO2-Emissionen, ohne Autos, mit solarbetriebenen Entsalzungsanlagen. Nicht Glasfassaden glitzern wie sonst in Abu Dhabi üblich, sondern Photovoltaik-Anlagen auf den Häusern.

Sultan Al Jaber denkt in die Zukunft: „Für ein paar Jahrzehnte werden fossile Brennstoffe eine wichtige Säule unserer Wirtschaft bleiben, doch der globale Energiemix wird sich deutlich verändern.“

Bayer sitzt mit in der Zeitmaschine, ein sogenanntes Memorandum of Understanding sieht als sichtbares Zeichen der Kooperation den Bau eines klimaneutralen Gebäudes vor. Dieser Prototyp eines Hauses, der mittels innovativer Baumaterialien und Technik optimal an subtropisches Klima angepasst ist, soll in Masdar City als Referenzobjekt dienen. Als Referenzobjekt für das EcoCommercial-Building-Programm (ECB). 

Prominenter lässt sich wohl eine Initiative nicht platzieren. Die ganze Welt schaut auf das arabische Emirat, dorthin wo das Öl sprudelt, aber wo auch so viel Energie vergeudet wird, als verschwände sie in einem schwarzen Loch. Durch Gebäude, die nur mit pausenlos arbeitenden Klimaanlagen heruntergekühlt werden können. Durch spritfressende Luxuskarossen, weil der Benzinpreis in Abu Dhabi keine Rolle spielt. Und nun das: Wenn es nach den Plänen des Stararchitekten Sir Norman Foster geht, soll Masdar City nach seiner Fertigstellung auf Sonne setzen statt auf Öl. Keine prächtigen Wolkenkratzer mehr als Symbol wirtschaftlicher Macht – stattdessen werden sich die Häuser bescheiden aneinanderreihen, um der Hitze wenig Angriffsfläche zu bieten. Enge Straßen, überhängende Dächer und immer wieder Grünstreifen sollen zumindest die Luft um gefühlte 20 Grad absenken. Die Innentemperaturen ließen sich durch eine veränderte Bauweise und effektive Dämmmaßnahmen beeinflussen. Eine Kernkompetenz von Bayer MaterialScience, denn aus den Rohstoffen des Unternehmens werden Schäume hergestellt, deren Durchlässigkeitswerte gegen Null tendieren. Egal, ob sie die Menschen vor Hitze oder Kälte schützen.

Erfahren Sie mehr zum EcoCommercial-Building-Programm

Diese Dämmmaterialien sind wichtige Bestandteile des sogenannten EcoCommercial-Building-Programms. Dahinter verbergen sich integrierte Energie- und Materiallösungen, die bereits in der Planungsphase eines Bauwerks berücksichtigt werden. Es ist ein Werkzeugkasten, der für Gebäude in allen Regionen dieser Welt die passende Lösung bereithält. Vom Niedrigenergie- bis zum Null-Emissions-Haus, damit ist alles möglich.

Immerhin: 40 Prozent aller Umweltbelastungen entstehen durch Gebäude, das ist mehr als durch Verkehr oder Industrie. Nun lassen sich Autos nicht komplett abschaffen und ein Dach über dem Kopf braucht jeder Mensch beim Wohnen wie am Arbeitsplatz.

Das ECB-Programm vereint die Idee vom ökologischen Bauen mit wirtschaftlichen Aspekten. Ganz wichtige Maxime: Umweltschutz muss sich für Investoren rechnen. Aktuelle Zielgruppe sind Banken, Supermarkt- oder Hotelketten, auch Wohnungsbaugesellschaften. „Es gibt ein großes Potenzial, um energiesparende und klimaschonende Konstruktionen zu realisieren“, unterstreicht Dr. Thomas Braig, als ECB-Leiter für Europa, den Nahen Osten und Afrika verantwortlich.

Neu ist auch, dass Bayer MaterialScience ein Netzwerk initiiert hat, um diese Idee voranzutreiben. Architekten, Planer, Baufirmen und andere Hersteller gehören zum Verbund. Das hat den Vorteil, dass das Unternehmen als Rohstoffhersteller nicht nur mit dem nächsten Glied in der Wertschöpfungskette im Gespräch ist. Das Novum: Wünsche und Bedürfnisse von Entscheidungsträgern werden künftig bei der Entwicklung von Produkten berücksichtigt.

  • Belgien: Das Bayer-Büro in Diegem ist ein weiteres Beispiel für energieeffizientes Bauen, weil es 40 Prozent weniger Energie verbraucht als vergleichbare Häuser. Dafür wurde es mit dem belgischen Preis für Architektur und Energie ausgezeichnet
  • Wohlfühlbüros: Die Bayer-Mitarbeiterinnen Michele van Hove und Sybille de Pierpont (l.) in Diegem freuen sich über das angenehme Raumklima in ihrem Gebäude.
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Belgien: Das Bayer-Büro in Diegem ist ein weiteres Beispiel für energieeffizientes Bauen, weil es 40 Prozent weniger Energie verbraucht als vergleichbare Häuser. Dafür wurde es mit dem belgischen Preis für Architektur und Energie ausgezeichnet

Zum Vorwärts-Marketing gehört, mit anderen zukunftsorientierten Firmen direkt in den Regionen zu kooperieren: so wie mit Al Falah Ready Mix, führender Baustoffhersteller im Mittleren Osten, der bei der Betonproduktion künftig 30 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen einsparen will. Das Unternehmen wird darüber hinaus Werkstoffe anderer Netzwerkpartner einsetzen, Makrolon von Bayer Sheet Europe oder Dämmschäume, wie sie von der deutschen Firma Puren produziert werden. „Eine schnellere, intensivere Marktdurchdringung ist Teil der Strategie“, erklärt Lisa Ketelsen, die als Opportunity Manager ständig überprüft, wie sich das Netzwerk sinnvoll erweitern lässt.

Ein wichtiger Schritt ist die Kooperation, die Bayer MaterialScience und Züblin gerade geschlossen haben. Jörn Beckmann, Vorstandsmitglied des internationalen Bauunternehmens, über die Beweggründe: „Damit können wir die Nachhaltigkeit und den Wert schlüsselfertiger Gebäude von Züblin zusätzlich erhöhen.“

Weiterer Partner ist das Büro planquadrat der Architekten Elfers, Geskes und Krämer aus Darmstadt. Die Planungsgruppe verfügt über internationale Erfahrung – vor allem in heißen Zonen dieser Welt. Ergebnisse ihrer Arbeit sind unter anderem ein Wolkenkratzer in Dubai, der als Bürokomplex dient, und auch das Business Bay Hotel. „Mit Bayer MaterialScience haben wir einen Partner an der Seite, der einen sehr guten Namen genießt und im Bereich der Dämmstoffe und Beschichtungen auf dem neuesten Stand ist“, erklärt Martin Geskes, geschäftsführender Partner von planquadrat.

Das EcoCommercial-Building-Pro­­­gramm punktet derzeit schon mit einigen Referenzprojekten. Im US-amerikanischen Pittsburgh steht ein Null-Energie-Haus, bei dessen Bau elf Produkte beziehungsweise Technologien von Bayer MaterialScience oder deren Kunden benutzt wurden. Es ist durch eine Zusammenarbeit mit Studenten der Pennsylvania State University entstanden. Das Solarhaus kombiniert ein Photovoltaik-System mit einer Dachbegrünung, das heißt, es wird Sonnenlicht in Energie umgewandelt und gleichzeitig Hitze abgehalten.

Ebenfalls als Vorzeigeobjekt dient die betriebliche Kindertagesstätte von Bayer CropScience am Stammsitz des Unternehmens in Monheim. Dort werden sämtliche Energien für Heizung, Belüftung, Licht und den laufenden Betrieb zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gewonnen: aus Erdwärme und Sonnenlicht. Zusammen mit einem Dämmungskonzept, bestehend aus Polyurethan-Rohstoffen von Bayer MaterialScience, erzielt dieses Gebäude im Jahresverlauf eine emissionsneutrale Energiebilanz.

Ein weiteres Beispiel ist das Bayer-Verwaltungsgebäude im belgischen Diegem. Es wurde von der Europäischen Kommission als „Green Building“ ausgezeichnet. Michele van Hove und Sybille de Pierpont, die im Kongress-Service tätig sind, genießen das prima Klima. „Es herrscht immer eine angenehme Atmosphäre ohne allzu große Temperaturunterschiede“, sagt Michele van Hove. Hintergrund: Durch eine Betonkern-Aktivierung werden die Innenräume je nach Jahreszeit großflächig gekühlt oder geheizt. Keine spürbar kalten Luftströme im Sommer also, keine ungleichmäßige Verteilung der Hitze im Winter. Das integrale Planungskonzept verzahnt unterschiedliche Maßnahmen: eine Geothermieanlage mit Erdwärmespeicher, Brennwertheizung, effiziente Wärmedämmung von Fassaden, Dach und Bodenbereich. Regenwasser dient zur Toilettenspülung. Der ökologische Ansatz färbt auch auf den normalen Arbeitsalltag ab. Sybille de Pierpont: „Wir benutzen Porzellantassen statt Plastikbecher und drucken Dokumente nur aus, wenn es wirklich notwendig ist.“ Um eines brauchen sie und ihre Kollegen sich allerdings nicht zu kümmern. Das Beleuchtungssystem ist an Bewegungsdetektoren gekoppelt, dadurch schalten sich die Lampen automatisch aus, wenn jemand länger als 15 Minuten nicht am Schreibtisch sitzt.

Interview mit Jörn Beckmann, Vorstandsmitglied des Bauunternehmens Züblin, Stuttgart

Züblin ist als Bauunternehmen ein wichtiger Netzwerkpartner im EcoCommercial-Building-Programm von Bayer MaterialScience. „report“ interviewte dessen Vorstandsmitglied Jörn Beckmann

Jörn BeckmannBild vergrößern
Jörn Beckmann

Wer schlägt in der Regel ein „grünes Gebäude“ vor – Sie als Bauunternehmer oder der Investor?
In erster Linie Bauherren und Investoren. Mittlerweile wird in Deutschland bei fast jedem neuen Firmengebäude ein Nachhaltigkeitszertifikat angefragt. Innerhalb des Strabag-Konzerns, zu dem unser Unternehmen zählt, genießt das Thema aber ebenfalls einen hohen Stellenwert. Beispielsweise werden alle neuen Konzerngebäude im Sinne des Green-Building-Gedankens geplant und errichtet.

Welches Projekt würden Sie besonders herausstellen?
Wir haben bereits eine Reihe von „grünen Gebäuden“ verwirklichen können. Besonders stolz sind wir auf den Opernturm in Frankfurt‚ der mit dem „Leadership in Energy and Environment Design Award“ in Gold prämiert wurde. Und auf unsere Konzernzentrale „Z-Zwo“ in Stuttgart, für die wir von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit Silber ausgezeichnet wurden. Insgesamt sind derzeit 20 der von uns verwirklichten Gebäude durch diese Gesellschaft zertifiziert beziehungsweise im Prozess der Zertifizierung.

Züblin ist weltweit aktiv: Gibt es Länder, in denen besonders hohes Interesse an nachhaltigem Bauen besteht?
Soweit wir das sagen können, besteht die stärkste Nachfrage derzeit in Zentraleuropa, vor allem in Deutschland und England. Hier ist auch das Bewusstsein für grünes Bauen am weitesten fortgeschritten. Beispielsweise gibt es in England seit fast 20 Jahren das Breeam-Zertifikat für nachhaltiges Bauen. Aber auch in Polen und Südosteuropa gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung. Außerhalb Europas spüren wir vorrangig in Middle East, vor allem auf der arabischen Halbinsel, ein steigendes Interesse an „grünen Gebäuden“.

Traditionelle und moderne Bauweise

Wüstenarchitektur

Traditionelle Bauweise in Schibam, JemenBild vergrößern
Traditionelle Bauweise in Schibam, Jemen

Masdar-City-Architekt Sir Norman Foster machte bei seinen futuristischen Plänen Anleihe bei traditionellen Gebäuden. Deren dicke Mauern trotzen der großen Hitze. Sie halten das Innere tagsüber kühl und geben die gespeicherte Wärme nachts wieder ab. Die Fensteröffnungen sind klein, damit keine heißen Luftmassen eindringen können. Zur Belüftung und Belichtung dienen Innenhöfe. Weil nur wenige Fenster außen am Gebäude installiert werden, grenzt ein Haus an das nächste. Dies hat den Vorteil, der Sonne möglichst wenig „Angriffsfläche“ zu bieten.

Weltweites Projekt

Ein Bayer-Showroom in Masdar City mit Fenstermodulen aus MakrolonBild vergrößern
Ein Bayer-Showroom in Masdar City mit Fenstermodulen aus Makrolon

Das „EcoCommercial Building Programm“ ist ein wesentlicher Bestandteil des Bayer-Klimaprogramms. Dahinter verbirgt sich das Konzept, die besten Materialien, Systeme und Technologien zusammenzubringen, um im Einklang mit den klimatischen Bedingungen am jeweiligen Standort klimagerecht und energieoptimiert zu bauen. Dazu wurde ein umfassendes Partnerschaftsnetzwerk aus Zulieferern, Baufirmen und Architekten aufgebaut. Bayer Technology Services bringt als einer der Partner seine Kompetenz zum Thema nachhaltiges Bauen in das Programm ein. Da es sich um ein weltweites Projekt handelt, wurden in den Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika, Nordamerika, China, Japan und Thailand „ECB Center of Excellence“ eingerichtet, die als erste Anlaufstelle für Interessenten dienen.

Merkmale von „grünen Gebäuden“

Ein EcoCommercial Building soll den allgemeinen Einfluss der bebauten Umwelt auf die menschliche Gesundheit und die natürliche Umgebung reduzieren. Dabei helfen folgende Maßnahmen:

  • Effiziente Nutzung von natürlichen Ressourcen
  • Abfallvermeidung
  • Umweltfreundliche Baumaterialien
  • Beachtung des lokalen Klimas
  • Geringerer Einsatz beim Transport von Baumaterialien
  • Schonend für die Umgebung durch reduzierte Emissionen, Geräusche, Gerüche
  • Berücksichtigung der Lebenszykluskosten
  • Gesundheitsaspekte
  • Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel
  • Effizientes Gebäudemanagement •Soziale Aspekte und Komfort für Nutzer
  • Hoher Wohnkomfort
Letzte Änderung: 11. November 2013 Copyright © Bayer AG
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