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Nichts als Sonne im Tank

Immer der Sonne nach: In fünf Etappen soll das Solarflugzeug 'Solar Impulse' die Welt
Immer der Sonne nach: In fünf Etappen soll das Solarflugzeug „Solar Impulse“ die Welt umrunden. Seine extreme Leichtigkeit verdankt es unter anderem Bayer MaterialScience.
Es ist ein Menschheitsprojekt – und ein spektakuläres Plädoyer für erneuerbare
Energien. Mit einem Flugzeug, das ausschließlich durch Sonnenenergie betrieben wird und Tag
und Nacht ohne Treibstoff fliegen kann, wollen die Luftfahrtpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg die Erde umrunden. Bayer MaterialScience unterstützt sie dabei.
Der Himmel über dem Schweizer Städtchen Payerne ist postkartenblau, und die Sonne brennt. 7. Juli, 9 Uhr vormittags. Es ist fast still. In der Luft liegt nur ein feines Motorsummen, das langsam näher kommt. Vor einer imposanten Bergkulisse taucht ein weißes Flugzeug auf. Leicht. Feingliedrig. Fast wie ein zu groß geratenes Kinderspielzeug. Als es auf der Landebahn des kleinen Payerner Militärflughafens aufsetzt, brechen die Zaungäste am Rand des Rollfelds in Jubel aus.
Team mit Visionen: Bertrand Piccard, Testpilot Markus Scherdel und der Solar-Impulse-CEO André Borschberg, der den ersten 26-Stundenflug meisterteBild vergrößern
Team mit Visionen: Bertrand Piccard, Testpilot Markus Scherdel und der Solar-Impulse-CEO André Borschberg, der den ersten 26-Stundenflug meisterte

Bertrand Piccard steht mitten unter ihnen und strahlt übers ganze Gesicht. Es ist ein Glückstag für ihn. Und die Sonne hat entscheidenden Anteil an diesem Glück. Der heiße Himmelskörper spielt die wichtigste Rolle in dem Traum, an dem der Schweizer Abenteurer und Visionär derzeit die gesamte Welt teilhaben lässt: Gemeinsam mit Solar-Impulse-CEO André Borschberg, einem ehemaligen Militärpiloten, will Piccard die Erde fliegend umrunden. Ganz ohne fossile Brennstoffe. In einem Flugzeug, das seine Energie einzig und allein aus der Sonne gewinnt, die es selbst während des Fluges speichert. Der erfolgreiche 26-Stundenflug, den Pilot Borschberg soeben mit dem Solarflugzeug „Solar Impulse HB-SIA“ glücklich beendet hat, ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zur geplanten Weltumrundung. 

Die Idee zu dem außergewöhnlichen Projekt kam Bertrand Piccard im Jahr 1999. Damals hatte der studierte Psychologe soeben als Co-Pilot im dritten Anlauf den Globus ganz ohne Zwischenlandung in einem Heißluftballon umrundet. Er war mit knapp vier Tonnen Flüssigpropan gestartet – und landete mit nur 40 Kilogramm. Treibstoffmangel hätte das Scheitern seiner Mission bedeuten können. „Deshalb habe ich mir geschworen, dass meine nächste Erdumrundung ohne Treibstoff und ohne umweltschädliche Emissionen stattfindet“, so Piccard.

Ziel des Luftfahrtpioniers: Menschen aufhorchen lassen und zum Nachdenken zwingen. Und ihr Verhalten in Bezug auf erneuerbare Energien und saubere Technologien bleibend verändern. „Wir wollen vorführen, was mit deren Nutzung geleistet werden kann“, sagt Piccard. „Wenn ein Flugzeug Tag und Nacht ohne Treibstoff fliegt, kann niemand mehr behaupten, es sei unmöglich, dieselben Technologien auch für Kraftfahrzeuge, Heizungs- oder Klimaanlagen und Computer einzusetzen.“
Hightech für den Höhenflug

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Piccard stammt aus einer berühmten Abenteurerfamilie. Sein Vater Jacques gilt als bedeutender Pionier der Tiefseeforschung. Sein Großvater Auguste Piccard, Physiker und Erfinder, flog als erster Mensch mit einem Ballon in die Stratosphäre.

Die Chancen, dass auch Enkel Bertrand Geschichte schreibt, stehen gut: Zwischen 2007 und 2008 entstand Solar Impulse HB-SIA, der erste Prototyp des neuartigen Flugzeugs. Seit Dezember 2009 finden in der Westschweiz regelmäßig Testflüge statt. Parallel wird das Flugzeug immer weiter optimiert. In Kürze beginnt der Bau des zweiten Prototyps. Die Weltumrundung ist derzeit für das Jahr 2013 vorgesehen. Geplant sind fünf jeweils fünftägige Flugetappen.

Technisch gesehen wird das endgültige Modell etwas noch nie Dagewesenes darstellen. Sein Treibstofftank ist die Sonne: Mehr als 10.000 Solarzellen aus Silicium – montiert auf den Oberflächen der Flügel – produzieren den Strom, der das Flugzeug antreibt und in der Höhe hält. Ein Teil der tagsüber gewonnenen Energie wird in Lithium-Ionen-Batterien gespeichert, sodass man auch nachts ohne Unterbrechung weiterfliegen kann.

Die Solarenergie fließt in vier Elektromotoren mit einer jeweiligen Spitzenleistung von 10 PS. Insgesamt kann eine Höhe von rund 9.000 Metern erreicht werden, und der Sonnensegler trotzt Temperaturen von minus 45 Grad bis plus 80 Grad Celsius.
Das neuartige Solarflugzeug ist Riese und Zwerg zugleich.
Das neuartige Solarflugzeug ist Riese und Zwerg zugleich.
Dreh- und Angelpunkt ist jedoch das Gewicht des Flugzeugs: Je schwerer es ist, desto mehr Energie verbraucht es. Klar also, dass alles daran gesetzt wird, ein Leichtgewicht herzustellen.
In Bayer MaterialScience haben Piccard und Borschberg einen Partner gefunden, der auf diesem Gebiet führend ist: „Unsere Technologie spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Projekts“, sagt Ingenieur Johannes Seesing. Dabei gehe es vor allem darum, Gewicht und Energieverbrauch des Flugzeugs durch innovative Materiallösungen zu senken.

Experten des Unternehmens sind seit März 2010 damit beschäftigt, mit ausgefeilten Technologien und Produktinnovationen das Gewicht von Solar Impulse immer weiter herunterzuschrauben. Ziel ist es, von der heutigen, 1.600 Kilogramm schweren Version noch einmal zehn Prozent Gewicht einzusparen. Das Unternehmen steuert dazu sein umfassendes technisches Know-how, Hightech-Polymerwerkstoffe und energiesparende Leichtbau-Produkte bei. Insbesondere die Kohlenstoff-Nanoröhrchen Baytubes könnten die Festigkeit der Strukturbauteile bei extrem niedrigem Gewicht verbessern. Die Messlatte liegt hoch, wie Seesing betont: „Solar Impulse wird die Spannbreite eines Jumbojets haben und dabei kaum mehr als ein Mittelklassewagen wiegen.“ Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte ist ein so großes und gleichzeitig so leichtes Flugzeug gebaut worden.

Tagsüber soll Solar Impulse in einer Höhe von 9.000 Metern fliegen, um die Sonneneinstrahlung optimal zu nutzen. Nachts sinkt das Flugzeug auf rund 1.500 Meter. In dieser Höhe kann mit dem geringsten Energieaufwand sehr konstant geflogen werden, da es bei höherem Luftdruck mehr Auftrieb erhält.

Spezielle Vibrationseinrichtung gegen Sekundenschlaf

Im derzeitigen Modell ist noch kein Autopilot vorgesehen. Deswegen musste Luftfahrtpionier Borschberg beim 26-Stunden-Flug ununterbrochen wach sein. Im Falle eines Einnickens hätte ihn eine spezielle Vibrationseinrichtung aufgeweckt. „Bei der Weltumrundung werden André und ich Meditation und Selbsthypnose nutzen“, sagt Piccard. In Zukunft soll ein Autopilot dafür sorgen, dass sich die Piloten zumindest für kurze Zeit ausruhen können.

Doch bis dahin sind noch jede Menge Fragen zu klären. Zum Beispiel gibt es Überlegungen, das Trinkwasser an Bord aus Urin zu gewinnen. Denn Flüssigkeitstanks würden das Flugzeug zu schwer machen. „Jedes Kilogramm, das mitfliegt, verbraucht Energie“, so Piccard.

„Ich bin überzeugt, dass sie es schaffen werden“, sagt Bayer-Experte Seesing. „Sie werden fliegen – und tatsächlich die Welt umrunden!“ Doch auch große Träume brauchen manchmal kleine Schritte, um wahr werden zu können. Die nächste Etappe des Abenteuers wird daher erst einmal die Überquerung des Atlantiks sein.

Drei Fragen an den Luftfahrtpionier Bertrand Piccard

Ein Traum der Menschheit: Piccard will die Erde fliegend, ganz ohne fossile Brennstoffe, umrunden. In einem Flugzeug, das seine Energie einzig und allein aus der Sonne gewinnt, die es selbst während des Fluges speichert.
Luftfahrtpionier Bertrand PiccardBild vergrößern
Luftfahrtpionier Bertrand Piccard
Herr Piccard, was treibt Sie an, das Flugzeug Solar Impulse zu bauen?
Ich möchte die Menschen für die Anwendung umweltverträglicher Technologien begeistern. Dabei ist das Flugzeug nur ein Beispiel. Wir könnten bereits heute durch den Einsatz dieser Technologien in den verschiedensten Bereichen den Erdölverbrauch um bis zu 50 Prozent senken. Und das, ohne unseren Lebensstil zu ändern.

Worauf kommt es bei der Konstruktion des Flugzeugs an?
Vor allem auf das Gewicht. Jedes Kilo, das mitfliegt, verbraucht Energie. Je leichter das Flugzeug ist, desto weniger Energie muss eingesetzt werden. Eine Herausforderung und unser großes Ziel ist es, das Gewicht beim zweiten Prototyp weiter zu vermindern.

Und dafür brauchen Sie die richtigen Partner?
Ja, wir haben eine ganze Familie an Partnern zusammengebracht, die alle den Pioniergeist des Projekts teilen. Sie garantieren seine Machbarkeit und haben sich der Förderung erneuerbarer Ener­gien verschrieben. So rechnen wir damit, das Gewicht um 160 Kilo zu senken – dank der Hightech-Werkstoffe und energiesparenden Leichtbauprodukte von Bayer MaterialScience.
http://www.bayer.de/de/nichts-als-sonne-im-tank.aspx

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Letzte Änderung: 22. Dezember 2011

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