Bayer magazin
Story

Klimagerechtes Konzept für innovative Bauten

Klimagerechtes Konzept für innovative Bauten
Wärmedämmung: In der Nähe von Neu Delhi baut Bayer MaterialScience ein Innovation Center, das nicht nur auf dem indischen Subkontinent einzigartig ist. Grundlage für die Planung ist der ungewöhnliche Gedanke, dass klimagerecht bauen besser ist als baugerecht zu klimatisieren. Ein Konzept, dass sich auch auf alle Regionen der Welt übertragen lässt.
Visionär: BMS-Experte Rüdiger Utsch ist von dem Konzept überzeugtBild vergrößern
Visionär: BMS-Experte Rüdiger Utsch ist von dem Konzept überzeugt
Temperaturen von über 40 Grad Celsius im Schatten sind in der nordindischen Greater Noida, wo Bayer MaterialScience (BMS) ein Polyurethan-Systemhaus etabliert hat, im Sommer an der Tagesordnung. Um sich unter diesen Umständen einigermaßen wohlzufühlen, müssen die Menschen die Klimaanlagen in Büros, Fabriken und Wohnungen auf volle Leistung drehen. Aber auch an allen anderen Tagen des Jahres läuft ohne die Anlagen so gut wie nichts, denn in der Trabantenstadt klettert das Thermometer im Jahresdurchschnitt auf 25 Grad Celsius.

Dass in dieser heißen Region jetzt ein Bürogebäude fast ohne Klimaanlage entstehen soll, stößt bei vielen auf Unverständnis. Geht nicht, so die einhellige Meinung. „Geht doch“, sagt Dietmar Riecks. Sein Selbstbewusstsein schöpft der Bochumer Architekt aus seiner erfolgreichen Arbeit. Riecks plant und baut seit über einem Jahrzehnt Null- Emissions-Gebäude.

Diese Expertise war auch der Grund für Bayer MaterialScience, das Architektenteam Banz & Riecks mit der Planung des Innovation Centers zu betrauen. Der Komplex besteht aus einem Bürogebäude mit einer Nutzfläche von 1.200 Quadratmetern und 50 Arbeitsplätzen sowie einer rund 1.000 Quadratmeter großen Ausstellungshalle. Läuft alles nach Plan, soll er Mitte 2009 eingeweiht werden. Das Bürogebäude ist die Umsetzung der „EcoCommercial Building“-Initiative, einem zukunftsweisenden Projekt innerhalb des Bayer-Klimaprogramms. „Hinter dieser Initiative verbirgt sich das Konzept, die besten Materialien, Systeme und Technologien zusammenzubringen, um im Einklang mit den vor Ort herrschenden klimatischen Bedingungen zu bauen“, sagt Rüdiger Utsch, der als BMS-Experte das Projekt begleite.

In der Vergangenheit sei der Grundsatz des klimagerechten Bauens bei Industriegebäuden oft außer Acht gelassen worden. Utsch weiter: „Stattdessen wurden einmal entworfene Standardtypen mit zum Teil riesigem Energieaufwand klimatisiert, um auch unter extremen Umgebungsbedingungen ein erträgliches Raumklima zu schaffen.“
Nachhaltiges Bauen: EcoCommercial Buildings können sowohl in Wüstengebieten als auch in Kältezonen realisiert werden
Nachhaltiges Bauen: EcoCommercial Buildings können sowohl in Wüstengebieten als auch in Kältezonen realisiert werden
Bei der Planung des ersten EcoCommercial Buildings verfolgte das Expertenteam, zu dem neben Riecks und Utsch auch Fachleute von Bayer Technology Services und Energiespezialisten der Firma „solares bauen“ gehören, einen anderen Ansatz. „Normalerweise liefert der Architekt einen Entwurf, an den sich Materialien und Technik anpassen müssen. Bei uns war es umgekehrt“, sagt Utsch. Zwei Jahre lang beschäftigten sich die Experten mithilfe einer Simulationssoftware mit unterschiedlichsten Aspekten: Wo soll das Gebäude stehen? Wie wird es genutzt? Wie viele Menschen arbeiten darin? Mit welchen Temperaturen ist in einem Zeitraum von zwei Jahren zu rechnen?

Die Antworten auf diese vier Fragen (in einer Hitzeregion, als Bürogebäude, rund 50 und bis 45 Grad Celsius) bestimmten schließlich die Architektur des Gebäudes. Utsch: „Riecks und sein Team haben mit den Daten aus der Simulation ein Haus geplant, in dem 70 Prozent weniger Energie verbraucht werden als in herkömmlichen Bauten in der Region: rund 35 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.“ Damit erreicht das Innovation Center den Status eines Niedrigstenergiehauses.
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach macht es zum Null-Emissions-Haus. „Die Energie, die noch gebraucht wird, gewinnen wir nicht aus Öl oder Gas, sondern aus regenerativen Ressourcen“, sagt Utsch. Das Unternehmen lässt sich den Status Niedrigstenergiehaus etwas kosten. Utsch: „Die Kosten steigen um rund fünf Prozent gegenüber dem Standard.“ Hinzu kommen noch rund 15 Prozent Mehrkosten durch die Photovoltaik-Anlage. Aber in einem heißen Land wie Indien habe sich diese Ausgabe bereits nach weniger als zehn Jahren bezahlt gemacht.

Utsch ist vom Erfolg des Konzepts überzeugt. „Mithilfe der Simulatonstechnik können wir für alle Klimazonen Null-Emissions-Gebäude planen und bauen.“ Derzeit liegen bereits fünf Entwürfe für unterschiedliche Länder vor, mit denen Utsch jetzt auf Wanderschaft geht. Er will Partner finden, die sich ebenfalls im Umweltschutz engagieren wollen. Und die müssen nicht unbedingt aus dem Konzern sein. Utsch: „Das Konzept ist auch für externe Firmen interessant.“
http://www.bayer.de/de/klimagerechtes-konzept-fuer-innovative-bauten.aspx

Copyright © Bayer AG

Special Interest

Seite drucken

Suche
Bayer magazin

Podcast

Letzte Änderung: 7. Februar 2012

×