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China – das neue Wirtschaftswunder

Ton aus
  • Leuchtkraft: Seit Anfang 2011 gehört wieder ein großes Bayer-Kreuz zum Stadtbild von Shanghai. Es strahlt auf einem Hochhaus im Geschäftsviertel Xu Hui.
  • Prüfen: In der Forschung am Standort Peking untersucht Bayer-HealthCare-Mitarbeiter Jin Weihua das Auflöseverhalten des Blutdrucksenkers Adalat.
  • Testen: Im Global Footwear Competence Center in Shanghai beurteilen Erika Zhu (r.) und Xiang Liu von Bayer MaterialScience frisch ausgegossene Sohlen.
  • Beraten: Bayer-CropScience-Experte Tan Kunzu erläutert der Landwirtin Liang Mao Lan auf einem Reisfeld in der südchinesischen Provinz Guangxi die Vorteile einer gezielten Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln.
  • Shanghai: An diesem Standort von Bayer MaterialScience produzieren Mitarbeiter wie Gary Xi Rohstoffe für Polyurethan und Polycarbonat. Das Foto zeigt Xi beim Inspektionsrundgang in der Polycarbonat-Anlage.
  • Sportlich in den Tag: Chinesen bei Tai-Chi-Übungen am frühen Morgen vor der Skyline Shanghais.
BOOM: Mit zweistelligen Wachstumsraten, Investitionen in Milliardenhöhe und aktuell 2,9 Milliarden Euro Jahresumsatz hat sich Greater China zu einem der bedeutendsten Einzelmärkte für Bayer entwickelt. Entstanden ist eine Partnerschaft, die sich durch Kompetenz, Beständigkeit und gegenseitigen Respekt auszeichnet
Wirtschaftswunder – das klingt vertraut. Rapider Aufbau unter widrigen Umständen, Herausforderungen, wohin das Auge blickt, Mut auch zur Improvisation. Über allem ein klares Ziel: Es soll uns morgen besser gehen, und die feste Überzeugung: Wir werden es schaffen. China heute ist eine Nation im Aufbruch, angetrieben von einem kollektiven Wunsch nach Wohlstand und internationaler Anerkennung; eine Gesellschaft von 1,3 Milliarden Menschen auf dem Weg zur führenden Wirtschaftsmacht der Welt.
Für Bayer wird Greater China immer wichtiger. Entstanden ist eine Partnerschaft, die durch Kompetenz, Beständigkeit und gegenseitigen Respekt auszeichnet.
China belegt den ersten Platz in der jüngsten PISA-Studie im Bereich Mathematik, verzeichnet jährlich 6,3 Millionen College-Absolventen und mittlerweile 420 Millionen Internet-User. „Die Epoche des Billig-Produzenten neigt sich dem Ende entgegen, das Land entwickelt sich im Eiltempo zur Technologienation“, kommentiert Dr. Wolfgang Plischke, im Konzernvorstand zuständig für die Region Asia/Pacific, die grundlegende Veränderung des Landes. 1978 erst wird unter Deng Xiaoping eine systematische Reformpolitik eingeleitet. Zwei Jahre später entstehen die ersten Wirtschaftssonderzonen und Joint Ventures mit westlichen Unternehmen. 1992 beschließt die Regierung die Abkehr von der klassischen Planwirtschaft, Anfang des neuen Jahrtausends tritt China der Welthandelsorganisation WTO bei. Das Land präsentiert sich zunehmend selbstbewusst als Gastgeber: 2004 holt man die Formel 1 nach Shanghai, beeindruckt 2008 in Peking mit den Olympischen Sommerspielen und heißt zwei Jahre später die Welt auf der EXPO in Shanghai willkommen.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Aus der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise geht China gestärkt hervor. Bereits in wenigen Jahren, so sind sich Wirtschaftsexperten einig, wird China nach Japan auch die USA überholen und zur stärksten Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigen. Das schnell in die Tat umgesetzte Konjunkturpaket der Regierung setzt vorrangig bei Infrastrukturmaßnahmen an und wirkt sich unter anderem auch in der Bauindustrie positiv aus. China steht aktuell für 193 Millionenstädte und die Hälfte aller weltweiten Bauaktivitäten.
Bayer will Kapazitäten in China ausbauen
Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes hebt die Lebensqualität, aber nicht so schnell und gleichmäßig verteilt, wie viele es sich wünschen. Umso mehr ist die Regierung um Stabilität bemüht und darum, dass vom neuen Wohlstand möglichst viel beim Bürger ankommt. Gesundheit und Ernährung stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Bis 2020 soll jeder Chinese Zugang zu bezahlbarer medizinischer Basisversorgung haben. Allein im Zeitraum 2009 bis 2011 stehen hierfür Schwerpunktinvestitionen von knapp zehn Milliarden Euro bereit. Eine Maßnahme von vielen: Die Anzahl der Krankenhäuser soll in diesem Zeitraum auf 40.000 verdoppelt werden. Und „soll“ ist in China bei wichtigen Zielen üblicherweise gleichbedeutend mit „wird“.
Noch bis in die 1960er-Jahre führte der Ausfall von Ernten in breiten Teilen der chinesischen Bevölkerung zu Hungersnöten. Heute ernährt China laut Weltlandwirtschaftsorganisation FAO mit nur sieben Prozent der weltweiten Anbaufläche mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung. Zusätzliche Herausforderungen beschert die Verlagerung der Bevölkerung vom Land in die Stadt. Qualitätsansprüche steigen, Ernährungsweisen verändern sich, der Fleischkonsum nimmt zu. Auch hier leitet die Regierung Reformen ein, strebt nach Versorgungssicherheit, Qualität und Effizienz. Die Folge: Landwirtschaft wird zur Wissenschaft.
Die Größe des Landes, vergleichbar mit der Fläche der USA oder Kanadas, erfordert besondere Anstrengungen im Bereich Mobilität. Allein im Jahr 2010 sind laut Regierungsangaben zu den 166 Zivilflughäfen acht neue hinzugekommen; bis Ende 2020 sollen es insgesamt 244 sein. Im Schienenverkehr verfügt China schon heute mit mehr als 8.300 Kilometer Strecke über das längste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt, aber es reicht bei Weitem nicht aus. An 17.000 Kilometern wird momentan gebaut, knapp 5.000 davon sollen noch in diesem Jahr fertig werden.
Auch für die Autoindustrie wartet China mit beachtlichen Zahlen auf. Während in Deutschland die Zahl der Neuzulassungen 2010 bei knapp drei Millionen Pkw lag, wurden in China laut Angaben des Herstellerverbandes 18 Millionen Fahrzeuge verkauft – 32 Prozent mehr als im Vorjahr. China ist mittlerweile der größte Automobilmarkt der Welt, befindet sich aber mit 50 Autos auf 1.000 Bürger gerade mal auf dem Stand der USA im Jahre 1917.
Die atemberaubende wirtschaftliche Entwicklung Chinas wird getrieben von drei Kernbedürfnissen: flächendeckender Gesundheitsversorgung, sicherer und gesunder Ernährung für alle und technischen Lösungen für eine gut funktionierende Infrastruktur. „Unsere Kernkompetenzen sind geradezu maßgeschneidert auf die chinesischen Bedürfnisse“, stellt Vorstandsmitglied Plischke fest. Kein Wunder also, dass Bayer China viel zu bieten hat. Das Unternehmen ist seit mehr als 125 Jahren in China beheimatet und dementsprechend bei Kunden als zuverlässiger Partner bekannt und geschätzt. Neben der Beständigkeit ist es insbesondere die Innovationskraft, die Bayer in China zu einem wertvollen Partner werden lässt. Dies gilt ganz besonders für den Teilkonzern Bayer HealthCare, dessen Portfolio von Antibiotika wie Ciprobay und Avalox über Herz-Kreislauf-Medikamente wie Adalat und dem marktführenden Diabetesmedikament Glucobay bis hin zu Aspirin reicht. Der Umsatz des HealthCare-Geschäfts, 2005 noch bei 150 Millionen Euro, liegt mittlerweile nur noch knapp unter der magischen Grenze von einer Milliarde Euro.

Investitionen in die Forschung

Die Belegschaft ist mittlerweile auf rund 5.000 Mitarbeiter angewachsen, insbesondere Außendienst und Forschung werden intensiviert. Außerdem sollen weitere 1.000 Mitarbeiter hinzukommen, um zum Beispiel die Vertriebsmannschaft zu stärken und um die ländlichen Gebiete stärker zu erschließen. „Patienten in China unterscheiden sich in vielfältiger Weise von Westeuropäern“, betont Chris Lee, Leiter Bayer HealthCare in China. „Auf diese Unterschiede stellen wir uns gezielt ein.“ Mit einem neuen Forschungszentrum in Peking will das Unternehmen seine Innovationsfähigkeit in Zukunft deutlich verstärken. 100 Millionen Euro wird Bayer im Verlauf von fünf Jahren in dessen Aufbau investieren, um noch enger mit Experten vor Ort zusammenzuarbeiten. Ähnliche Kooperationen mit lokalen Partnern sind auch im Bereich Landwirtschaft erfolgsentscheidend. „Vorrangig ist die Optimierung von Anbaumethoden und damit Erhöhung der Qualität und Ausbeute“, betont Frank Dietrich, Bayer CropScience-Chef in China. „Gleichzeitig unterstützen wir Farmer im Rahmen unseres Food-Chain-Programms von der Aussaat über den Anbau bis hin zum Verkauf mit unserer Expertise.“ Neben modernen Pflanzenschutzmitteln sorgt hochqualitatives Saatgut für gesunde Pflanzen und ertragreiche Ernten. Hier arbeitet Bayer auch eng mit Regierungsstellen und Bildungsinstituten zusammen, um die Nahrungsmittelproduktion zu fördern und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Mittlerweile ist Bayer CropScience mit 560 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 130 Millionen Euro im Jahr 2010 das zweitgrößte Unternehmen im Bereich Pflanzenschutz in China.
Das „Wirtschaftswunder China“ beflügelt auch das Geschäft von Bayer MaterialScience, mit 2.200 Mitarbeitern vor Ort vertreten. Ob für Bau- oder Automobilindustrie, für Hersteller von Unterhaltungselektronik oder Möbeln – mit seinen Produkten liefert der Teilkonzern die Bausteine für innovative Lösungen. Wie kaum ein anderes Land fördert China die Entwicklung neuer Technologien im Bereich Energieeffizienz, die nicht zuletzt auch dem Umweltschutz zugute kommen.
Anstieg: Die Illustration zeigt den steigenden Konzernumsatz, von 2,1 Milliarden Euro in 2009 bis zu erwarteten sechs Milliarden Euro in 2015Bild vergrößern
Anstieg: Die Illustration zeigt den steigenden Konzernumsatz, von 2,1 Milliarden Euro in 2009 bis zu erwarteten sechs Milliarden Euro in 2015
Insgesamt will der Konzern seinen Umsatz in Greater China bis zum Jahr 2015 auf rund sechs Milliarden Euro steigern. MaterialScience soll dazu rund die Hälfte beitragen. „Die Grundlage für diese Erfolgsstory hat Bayer frühzeitig mit Milliarden-Investitionen am integrierten Standort nahe Shanghai geschaffen“, erläutert Vorstandsmitglied Plischke. Auch dank Bayer Technology Services und ihrer rund 560 Mitarbeiter habe sich das Werk schnell zum Produktionsknoten für die Region entwickelt und soll nun mit neuen Investitionen zügig weiter wachsen. Bayer werde die Kapazitäten für Polyurethan-Rohstoffe und Polycarbonat innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppeln, die Produktion von Lackrohstoffen ausbauen und die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten vor Ort deutlich stärken. „Bis 2016 werden wir eine weitere Milliarde Euro in diesen strategisch wichtigen Standort investieren“, beziffert Plischke die Größenordnung des aktuellen Ausbauprogramms. Zu Jahresbeginn verlegte der Geschäftsbereich Polycarbonat zudem seinen Stammsitz von Leverkusen nach Shanghai.
Partnerschaft ist auch in China ein entscheidender Schlüssel für unseren Erfolg vor Ort. So engagiert sich Bayer auch im Reich der Mitte in Forschungskooperationen, finanziert Lehrstühle zum Beispiel zu den Themen Recht des geistigen Eigentums oder Nachhaltigkeit industrieller Entwicklung. Ein besonderes Anliegen liegt im Bereich des Gesundheitswesens, wo Bayer bei Journalisten das Verständnis für Krankheiten und deren Übertragungsmechanismen fördert und das Gesundheitsministerium bei der Ausbildung von medizinischen Fachkräften in ländlichen Gebieten unterstützt.
Bayer ist in China bekannt und geschätzt als ein innovatives, globales Unternehmen mit deutschen Wurzeln. Die Mitarbeiter sind überwiegend chinesischer Nationalität und mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren vergleichsweise jung. „Unter dem Bayer-Kreuz vereint das Team deutsche Tugenden mit einigen typisch chinesischen Eigenschaften. Dazu zählen aufmerksames Zuhören und schnelles Handeln, selbstbewusstes Herangehen an große Herausforderungen und eine optimistische Grundeinstellung“, sagt Cathy Gui, Leiterin Human Resources bei Bayer China. Und über allem aber steht eine Eigenschaft, die viele Mitarbeiter von Bayer weltweit eint: die Freude am gemeinsamen Erfolg.
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Letzte Änderung: 7. März 2012

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