Gefunden: Die Suche nach einem Nashorn beginnt mit dem Helikopter. Aus der Luft identifiziert Tierarzt Dr. Peter Buss schließlich ein Tier, das sich für den Umzug in einen anderen Park eignet
Die Märzsonne geht rasch auf im Krüger-Nationalpark. Während ihre ersten Strahlen den letzten Bodennebel aus dem grünen Buschland vertreiben, steht Marius Kruger breitbeinig an der Doispane Road, im Südwesten des riesigen Nationalparks. Am Ohr das Funkgerät, aus dem es knisternd ertönt. „Ich bin gleich bei Euch. Einige habe ich schon gesehen.“ Es ist die Stimme von Dr. Peter Buss. An Bord eines Hubschraubers sucht der Tierarzt die Gegend nach Breitmaulnashörnern ab. Zwei der Tiere sollen heute eingefangen werden, um sie später in andere Einrichtungen zu überführen. Buss ist der verantwortliche Veterinär des Kommandos, Kruger leitet die Einsatzmannschaft am Boden. Beide arbeiten für die Veterinary Wildlife Services der South African Nationalparks (SANParks). Jetzt saust der Helikopter über Kruger hinweg, fliegt eine Kurve und ist rasch wieder verschwunden.
Weil aber weiter südlich einige Dutzend Exemplare überlebten, konnten sie auch im Krüger-Park neu angesiedelt werden. Heute verfügt der bekannteste südafrikanische Nationalpark über die weltweit größte Population. Geschätzte 7.000 dieser schweren Pflanzenfresser bevölkern den fast 400 Kilometer langen Park, die große Mehrheit davon den südlichen Teil. Längst sind es daher die Nashörner aus dem Krüger-Park, die helfen, dieses nach dem Elefanten zweitgrößte Landsäugetier andernorts anzusiedeln.
In diesem Jahr wollen die Wildlife Services gut 200 der Dickhäuter einfangen, um sie zu verkaufen oder zu versteigern. Interessenten sind zum Beispiel andere Parks oder Einrichtungen, die eigene Populationen aufbauen wollen. „Ein Tier bringt bis zu 20.000 Euro“, erklärt Kruger. Für SANParks eine wichtige Einnahmequelle, um in weitere Aktivitäten für den Erhalt der Artenvielfalt investieren zu können.
An diesem Morgen startet die Fangsaison. Das Team um Buss und Kruger ist früh aufgebrochen, um den Einsatz noch vor der großen Tageshitze zum Erfolg zu führen. Was manchen Touristen auch bei mehrtägigem Parkaufenthalt nicht gelingt, hat Buss vom Hubschrauber aus binnen weniger Minuten erreicht: Er sieht Nashörner. In kleinen Gruppen stehen sie da unten und rupfen mit den rauen Lippen ihrer breiten Mäuler das Gras vom Boden. Das geübte Auge des Tierarztes erkennt schnell Alter und Geschlecht der jeweiligen Tiere. Über Funk legt er mit Kruger fest, heute zwei etwa sechsjährige Männchen zu fangen.
Ein erstes Exemplar hat Buss schnell ausgemacht. Durch geschicktes Anfliegen isoliert Pilot Charles Thompson es von der Gruppe und treibt es in die Nähe der Straße, um der Bodenmannschaft um Kruger den Zugang zu erleichtern. Der Helikopter fliegt jetzt so tief, dass Buss, der in der offenen Tür steht, wenig Mühe hat, mit seinem Betäubungspfeil ins Hinterteil zu treffen. Dort, wo die Haut dünner ist und das Mittel schnell ins Blut gelangt. Das Tier stutzt kurz, läuft weiter, verlangsamt den Schritt, strauchelt und fällt schließlich. Nur wenige Meter von der Doispane Road entfernt. Perfekt für Kruger und sein Team.
Eben erst hat sich die Bodenmannschaft Füße, Beine, Taille und Arme mit Bayticol Aerosol eingesprüht. Das Produkt von Bayer ist ein bewährtes Zeckenmittel. Mit ihm verhindern Kruger und die anderen, dass sich die kleinen Zecken, die sich hier überall im Buschland befinden, auf der menschlichen Haut festbeißen und im schlechtesten Fall das Zeckenbissfieber übertragen.
Mit seinen Kollegen macht sich Kruger nun an dem liegenden, gut anderthalb Tonnen schweren Koloss zu schaffen. Er selbst legt dem Tier eine Augenbinde und eine Seilschlinge um den ausladenden Schädel. Andere prüfen den Herzschlag, vermessen Länge und Umfang der Hörner, ermitteln die Körpertemperatur, nehmen Blut- und Stuhlproben und überwachen die Atmung. Später werden die Daten Auskunft über die Stressbelastung des Tieres geben.
Derweil hat das Team an der rechten Flanke des Nashorns ein ganzes Heer an Zecken entdeckt. SANParks-Mitarbeiter Louis Sibuyi greift zu einer Flasche mit Bayticol von Bayer Animal Health. Es geht aber nicht nur darum, das Tier von peinigenden Parasiten zu befreien. „Spätestens beim Transport in seinen neuen Lebensraum muss es dann sowieso frei von Zecken sein, damit diese keine Krankheitserreger übertragen können“, erklärt Kruger. Eine gesetzliche Vorgabe.
Inzwischen ist der Hubschrauber gelandet, und Peter Buss läuft herbei. Als alle Arbeiten am Tier erledigt sind, spritzt der Veterinär ein Gegenmittel zur Betäubungssubstanz, um deren Wirkung aufzuheben. „Passt auf, wenn es um sich tritt“, ruft Kruger allen Umstehenden zu, als eine Handvoll seiner Leute dem Nashorn auf die Beine hilft. Das Tier rappelt sich hoch, taumelt kurz und setzt schließlich, vom Seil gezogen und noch etwas benommen, einen Fuß vor den anderen. Der Weg führt direkt in eine weiße Metallbox. Während Buss schon wieder Richtung Hubschrauber eilt, um den Fang des zweiten Tiers einzuleiten, senkt sich der Kran über der Metallbox und hievt sie auf den bereitstehenden LKW. Eine Stunde später wird das Jungtier sich in einem Gehege wiederfinden, wo es bis zu seinem Verkauf bleibt. Dort erfolgt eine erneute Behandlung gegen Zecken – jetzt mit einem Bayer-Produkt, das sich, einmal auf den Nashornrücken gegeben, von selbst am ganzen Körper verteilt. Mit diesem endgültigen Zeckenschutz hilft Bayer beim Aufbau neuer Nashornpopulationen, ohne dass Krankheitserreger verbreitet werden.