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Mehr Schussgenauigkeit und Ballbeschleunigung

WM-Fußball +Teamgeist™ –
Immer wieder eine Überraschung

„Unser neuer ist der schnellste Ball, den wir je hatten.“
Seit 36 Jahren liefert adidas den WM-Fußball. Dass das Unternehmen dabei stets innovativ ist, beweist aufs Neue der +Teamgeist™. Bei der Entwicklung und Produktion dieses Balles spielt Bayer MaterialScience kräftig mit.
WM-Fußbälle
Portugal im Sommer 2004: Millionen Zuschauer in den Stadien und vor den Bildschirmen fiebern mit den Mannschaften, die an der Fußball-Europameisterschaft teilnehmen. Einer von ihnen ist André Pechtold. Mehr noch als die meisten Fans achtet er darauf, wie die Spieler mit dem Ball zurechtkommen, dem Roteiro™. Kein Wunder: Als Projektleiter Technische Entwicklung bei adidas war der Ingenieur maßgeblich an der Entwicklung des EM-Balls 2004 beteiligt.

Noch während dieser in den portugiesischen Stadien rollt, ist Pechtold in Gedanken aber auch schon zwei Jahre weiter: bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Denn sein Arbeitgeber hat nicht nur einen Vertrag mit dem europäischen Fußballverband UEFA, sondern ist auch Partner des Weltverbands FIFA. Seit 1970 schon stellt das Unternehmen daher bei jeder Weltmeisterschaft die Bälle. Und liefert dabei stets eine Innovation. Der „Tango España“ etwa wartete 1982 erstmals mit wasserdicht versiegelten Nähten auf.

Weniger Teilflächen – mehr Schussgenauigkeit und Ballbeschleunigung

Auch 2006 sollte es etwas Neues geben. Und so begann das adidas innovation team (a.i.t.) um André Pechtold noch vor der EM 2004 darüber nachzudenken, wie man den Roteiro™ noch weiter optimieren kann. Dabei hatte das Team bald die Ballhülle im Visier und begann an dem seit Jahrzehnten gültigen Aufbau aus 20 Fünf- und zwölf Sechsecken zu rütteln, mit dem nämlich ein kleiner Nachteil verbunden war: „Ein solcher Ball hat auf der Oberfläche 60 Punkte, wo jeweils drei Nähte zusammenlaufen“, erklärt Pechtold. „Trifft ein Spieler beim Schuss genau gegen einen solchen Knotenpunkt, reagiert der Ball geringfügig anders als beim Tritt gegen eine ebene Stelle.“ Das könne zu leichten Einbußen bei Schussgenauigkeit und Ballbeschleunigung führen.
Ballgefühl - jeder auf seine Weise: Thomas Michaelis (l.), bei Bayer MaterialScience zuständig für technisches Marketing im Bereich Textilbeschichtungen, und André Pechtold (r.), Projektleiter Technische Entwicklung bei adidas.
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Ballgefühl – jeder auf seine Weise: Thomas Michaelis (l.), bei Bayer MaterialScience zuständig für technisches Marketing im Bereich Textilbeschichtungen, und André Pechtold (r.), Projektleiter Technische Entwicklung bei adidas.

„Wir haben überlegt, wie wir die Anzahl dieser Knoten verringern können“, erklärt der Ingenieur. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Statt aus 32 Fünf- und Sechsecken wird die Kugel aus nur noch 14 Teilflächen zusammengefügt. Die adidas-Designer haben diese so gestaltet, dass sie wie „Propeller“ und „Turbinen“ aussehen – und damit für Bewegung stehen. Fügt man sie zusammen, resultieren nur noch 24 Knotenpunkte. „Die Oberfläche ist also deutlich homogener geworden“, betont Pechtold.

Weniger Teilflächen, das reduzierte auch die Gesamtlänge der Klebefugen (seit 2002 wird die Hülle geklebt und nicht mehr genäht). „Das hat sich vorteilhaft auf die Flugeigenschaften ausgewirkt“, so Pechtold. Zahlreiche Laboruntersuchungen bestätigten das. Etwa der Robo-Test, bei dem ein automatisiertes Kunstbein den Ball mit immer gleicher Kraft auf eine Zielscheibe schießt. Der Streubereich der Flugbahn war mit dem neuen Ball um ein Drittel kleiner als bei Vorgänger-Modellen.

„Unser neuer ist der schnellste Ball, den wir je hatten.“

Neben der verbesserten Präzision sorgte der +Teamgeist™, wie der neue Ball inzwischen hieß, für einen weiteren Superlativ. „Es ist der schnellste Ball, den wir je hatten“, sagt Pechtold und erklärt auch warum: „Wegen der geringeren Anzahl an Knotenpunkten kann sich der Ball im Moment des Schusses homogener verformen und so die Energie effektiver aufnehmen und in Fluggeschwindigkeit umsetzen.“

Ob in Mailand, Marseille, Amsterdam oder beim heimatnahen 1. FC Nürnberg – überall haben Spieler in der Testphase positiv auf den +Teamgeist™ reagiert. Selbst Torhüter verteilten gute Noten: Sie könnten den neuen Ball besser fangen, gaben einige an. Das müssen sie wohl auch, wenn die Schützen jetzt präziser und schneller schießen.

Der Kunststoff der Wahl: Impranil®

2005 startete die Serienproduktion, an der viele Partner beteiligt sind. Einer liefert die Latexblase für den inneren Kern, andere die Teile für die Karkasse, die dem Ball Form und Stabilität verleiht. Auf diese Karkasse wird schließlich die innovative Hülle aus den 14 Propellern und Turbinen geklebt. Auch wenn Reporter bis heute gerne vom „runden Leder“ sprechen, ist der äußere Mantel seit 1986 aus Kunststoff. „Leder saugt sich mit Wasser voll“, so Pechtold zu einem gravierenden Nachteil des Naturprodukts.
Schnittmuster: Statt aus 32 Fünf- und Sechsecken wird die Kugel nur noch aus 14 Teilflächen zusammengefügt. Diese sehen aus wie Propeller und Turbinen. Fügt man sie zusammen, ergibt das nur noch 24 Knotenpunkte. Früher waren es 60. Bessere Flugeigenschaften sind das Ergebnis.
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Schnittmuster: Statt aus 32 Fünf- und Sechsecken wird die Kugel nur noch aus 14 Teilflächen zusammengefügt. Diese sehen aus wie Propeller und Turbinen. Fügt man sie zusammen, ergibt das nur noch 24 Knotenpunkte. Früher waren es 60. Bessere Flugeigenschaften sind das Ergebnis.

Als Kunststoff der Wahl erwies sich Polyurethan (PUR) von Bayer. PUR ist abrieb-, zug-, reiß- und wetterfest, äußerst elastisch und wird erst bei hohen Temperaturen spröde. Seit Jahrzehnten schon bietet Bayer unter der Marke Impranil PUR-Beschichtungen für Textilien an. Zur Weltmeisterschaft 1986 kam die Anwendung bei Fußbällen hinzu. Seither ist Bayer fester Partner von adidas.

Und die Entwicklung geht weiter. „Wir haben unsere PUR-Systeme stets den Ansprüchen der adidas-Bälle angepasst“, erklärt Thomas Michaelis, bei Bayer MaterialScience zuständig für technisches Marketing im Bereich Textilbeschichtungen. Auch beim +Teamgeist™. „Als 2004 die Idee mit dem neuen Hüllenaufbau aufkam, haben wir an unserer Laminiermaschine in Leverkusen sofort die ersten Prototypen entworfen“, so Michaelis zur engen Zusammenarbeit mit dem a.i.t. Neu am +Teamgeist™ war schließlich auch, dass der Grafikaufdruck erstmals von einer PUR-Schicht überzogen wurde. „So vermeiden wir einen Abrieb des Designs auf der Balloberfläche“, so Michaelis. Die Ballhülle besteht aus vier verschiedenen Impranil-Lagen – mit jeweils anderen Aufgaben und Eigenschaften. Insgesamt ist das Vierschichtsystem 1,1 Millimeter dünn.
Die Öffentlichkeit erlebte den +Teamgeist™ erstmals im Dezember 2005 – bei der feierlichen Auslosung der WM-Gruppen. Seither kann man ihn auch kaufen. Zehn Millionen Bälle möchte adidas absetzen. Natürlich werden André Pechtold und seine Kollegen im Sommer verfolgen, ob die WM-Akteure die Polyurethan-Kugel tatsächlich genauer und schneller spielen. Gedanklich ist das Team freilich schon jetzt zwei Jahre weiter – bei der EM 2008. Dann wird adidas einmal mehr einen neuen, irgendwie noch besseren Ball präsentieren. Aber was kann man überhaupt noch besser machen? Pechtold schmunzelt. „Wir haben schon ein paar Ideen.“
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