Unternehmensgeschichte

Die Zeit der I.G. Farbenindustrie AG (1925–1945)

Schon seit 1905 gibt es eine Interessengemeinschaft zwischen Bayer, der BASF und der Agfa. Um die lebenswichtigen Exportmärkte wiedergewinnen zu können, schließen sich diese und weitere Unternehmen der deutschen Teerfarbenindustrie auf Initiative von Carl Duisberg 1915/16 zu einer großen Interessengemeinschaft zusammen.

Fusion zur I.G. Farbenindustrie AG

Nach der Stabilisierung der Weltwirtschaft Mitte der 20er Jahre wird klar, dass die deutsche Farbstoffindustrie ihre alte Stellung auf dem Weltmarkt nicht wiedergewinnen kann. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Märkte gewinnen zu können, entschließen sich die Unternehmen der Interessengemeinschaft 1925 zur Fusion. Bayer überträgt sein Vermögen auf die I.G. Farbenindustrie AG (I.G.) und wird als Unternehmen im Handelsregister gelöscht.

Die Bayer-Tradition bleibt jedoch in der Betriebsgemeinschaft Niederrhein der I.G. erhalten. Zu ihr gehört neben den Werken Leverkusen, Dormagen, Elberfeld auch das Werk Uerdingen. Leverkusen wird außerdem Standort der Verkaufsgemeinschaft Pharma der I.G., deren gemeinsames Markenzeichen das Bayer-Kreuz wird.

Zeit der Erfindungen

Im Verbund der I.G.-Werke entwickelt sich Leverkusen darüber hinaus zu einem wichtigen Grund- und Zwischenproduktestandort und dem größten Farbstoffwerk. Schwerpunkte der Forschungsarbeiten liegen in dieser Zeit bei der Kautschuksynthese und der modernen Polymerchemie.

Anfang der 1930er Jahre entwickelt man hier den Polyacrylnitril-Butadien-Kautschuk (Perbunan), und 1937 erfindet Otto Bayer (1902–1982) die Polyurethane. Elberfeld setzt die erfolgreichen Arbeiten an Medikamenten zur Bekämpfung der Malaria fort. Gerhard Domagk (1895–1964) entdeckt in Zusammenarbeit mit Fritz Mietzsch (1896–1958) und Joseph Klarer (1898–1953) die therapeutische Wirkung der Sulfonamide. Ein Wirkstoff aus dieser Substanzklasse kommt 1935 als Prontosil auf den Markt. Das ist ein grundlegender Schritt zur Chemotherapie von Infektionskrankheiten, für den Domagk 1939 den Nobelpreis erhält.

Nach dem Aufschwung von 1926 bis 1928 erfasst die Weltwirtschaftskrise auch die Betriebsgemeinschaft Niederrhein. Produktion und Beschäftigung gehen drastisch zurück. Im Jahr 1929 beschäftigen die Werke Elberfeld und Leverkusen 12.450 Arbeiter und Angestellte, im Juli 1932 dagegen nur noch 9.800. Jeder fünfte verliert seinen Arbeitsplatz. Erst in den dreißiger Jahren nimmt die Belegschaft wieder zu.

Der Weg in den Zweiten Weltkrieg

Seit 1936 zielt die Politik des nationalsozialistischen Regimes systematisch auf die Vorbereitung des Krieges.
Als schließlich 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, gehören die Werke der Betriebsgemeinschaft zu den „kriegs- und lebenswichtigen“ Betrieben der deutschen Wirtschaft. Die Anforderungen an die Produktion wachsen, aber immer mehr Mitarbeiter werden zur Wehrmacht eingezogen. Deshalb werden auch in Leverkusen, Dormagen, Elberfeld und Uerdingen – wie in der gesamten deutschen Industrie – Fremd- und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern Europas eingesetzt, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Sie machen zeitweise bis zu einem Drittel der Belegschaft aus. KZ-Häftlinge werden in den Werken am Niederrhein nicht eingesetzt.
Der Krieg endet für das Werk Leverkusen am 14. April 1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen. Da Leverkusen in der britischen Besatzungszone liegt, übernimmt bald darauf die britische Militärregierung die vollständige Kontrolle über die Niederrheinwerke.

Letzte Änderung: 27. Januar 2014 Copyright © Bayer AG
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