Lange dachte man, Tuberkulose sei eine verschwindende Krankheit, erfolgreich bekämpft durch die moderne Medizin. Doch jedes Jahr treten neun Millionen neuer Fälle von aktiver Tuberkulose auf, nach Schätzungen der WHO sterben ca. 1,5 Millionen Menschen jährlich daran – Menschen, denen die moderne Medizin nicht zur Verfügung steht. Denn: Tuberkulose ist in erster Linie eine Krankheit der Armen. Um das zu ändern, engagiert sich Bayer gemeinsam mit der Global Alliance for TB Drug Development (TB Alliance) für die Entwicklung eines neuen Tuberkulose-Medikamentes.
„Dies ist ein historischer Moment im Rahmen der globalen Gesundheitsversorgung“, sagte Dr. Maria C. Freire, Präsidentin und Chief Executive Officer der TB Alliance, zu Beginn des Kooperationsprojektes. „Wenn wir in unserem weltweiten Studienprogramm mit Bayer erfolgreich sind, könnte innerhalb von fünf Jahren eine neue, kürzere Therapie zur Verfügung stehen. Dies kann für Millionen von Tuberkulose-Patienten eine lebensentscheidende Frage sein.“ Prof. Dr. Wolfgang Plischke, Mitglied des Vorstands der Bayer AG, ist zuversichtlich, dass Moxifloxacin auch bei Tuberkulose eingesetzt werden kann: „Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit der TB Alliance mitzuwirken, die Tuberkulose als eine der großen pandemischen Infektionskrankheiten in den Griff zu bekommen.“
Bestätigt die Studie vorklinische Beobachtungen, kann Moxifloxacin in Kombination mit anderen bestehenden Therapien die bisherige Standardmedikation bei Tuberkulose ersetzen. Das hätte für die Erkrankten gleich mehrere Vorteile: Unter Moxifloxacin heilt die Infektion schneller aus, so dass sich die Therapiedauer von bisher minimal sechs Monaten um mindestens ein Drittel reduzierte. Dank der Verkürzung haben die Patienten weniger Nebenwirkungen und sind eher bereit und auch finanziell in der Lage, die Therapie für die notwendige Dauer der Heilung vorzunehmen. Gerade das ist besonders wichtig, denn eine vorzeitig abgebrochene Therapie erhöht die Gefahr, dass sich multi-resistente Bakterienstämme bilden.
Neue Medikamente gegen Tuberkulose müssen demnach Multitalente sein: effizient und schnell wirksam, auch gegen resistente Bakterienstämme, geeignet zur Therapie einer Tuberkulose-Koinfektion bei HIV – Tuberkulose gehört zu den häufigsten Todesursachen bei HIV-Patienten – und dennoch so preiswert, dass ihr Einsatz gerade in Entwicklungsländern alltägliche Praxis sein kann.